Tangente für eine Nacht

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Kaffeekrusten zieren sein Gesicht, bilden Ringe unter den Augen. Sie schlafen offen, kundig, und starren dabei in den Rauch. Bitte nicht stören steht auf seinen Lidern, nur sieht das niemand. Hätte er noch Atem, er würde ihn verschenken. Nun stinkt sein Hals. Nach Kippen. Nach Kaffee. Nach Magensaft und rezeptfreien Mitteln gegen Sodbrennen. Draußen ist es hell. In ihm schwitzt Dunkelheit. Sie kriecht durch Hautkanäle und verseucht sein Hemd. Weiß kann viele Farben haben. Schwarz schmeckt immer gleich. Rot ist versiegt.

Am Himmel glotzte der Mond. Feuchte Straßen zogen feine Linien über die Welt. Tangenten möchte man sie nennen, doch berührten sie niemanden. Passanten, die flüchteten. Flüchtigkeitsfehler. Jede Lebendigkeit hatte sich verkrochen. Manche Nächte sind nicht von dieser Welt. Manche Welten versinken in einer Nacht.

Seine Welt war heil, so heil wie ein angebissener Keks. Sie krümelte ihm vor die Füße, doch jeder Bissen schmeckte süßer. Er war Tangente für eine Nacht, sie die Kurve. Ihr Berührungspunkt schnitt tief. Adern stellen keine Fragen, sie bluten einfach aus. Verschenken sich. Verkrusten langsam. Verstummen irgendwann.

Sie sprach nicht zu ihm in dieser einen Nacht. Er antworte stumm. Auf ihre Bewegungen, die ihn an Abgründen wandeln ließen, auf ihren Blick, der bohrende Liebkosung war. In Gedanken wurde Jetzt zu Ewig. Unendlichkeit trägt schöne Kleider, darunter ist sie nackt. Er verglühte an ihr. Im Innern. Sie vergab sich an ihm, nur äußerlich. Manche Menschen sind nicht von dieser Welt. Manche Welten vergehen an einem Menschen.

Als sie ging, nahm sie ihn mit. Zurück blieb seine Hülle und das Schild an der Tür. Bitte nicht stören stand darauf. Ohne sie lag sein Leben leer vor seinen Füßen. Zusammengefegt. Einsamkeit, er wollte sie zertreten. Ihr Geruch hing noch immer schwer in der Luft, erdrückte ihm das Atmen. Er wollte ihn versiegeln, in sich, im Jetzt und in der Ewigkeit.

Die Plastiktüte von seinem Kopf ist bereits entfernt, als sie in wiedersieht. Er liegt kalt, das Blau seiner Augen verschlossen, die Adern sind ausgetrockneter Fluss. Sie nickt und geht. Tangente für eine Nacht, jetzt kennt sie seinen Namen.

„Eine Tangente kann in der Regel nur existieren, wenn die zugrunde liegende Funktion differenzierbar ist.“

„Als Differenzierbarkeit bezeichnet man die Eigenschaft einer Funktion, sich lokal um einen Punkt in eindeutiger Weise linear approximieren zu lassen.“

„Approximation ist zunächst ein Synonym für Näherung.“

… und Nähe war für ihn nur eine Idee.

Quelle Zitate: Wikipedia

Die Suche des Herrn Kudo

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Schöner wohnen kann jeder. Mann muss es auch wollen.

Herr Kudo war unruhig, seit zweieinhalb Jahren nun schon. Sein Zimmer lag leer zwischen den Wänden. Etwas fehlte dort, etwas, das Wohnlichkeit verströmte, etwas, das auf ihn wartete, wenn er des Abends heim kam, etwas, auf das er wahlweise seinen jungen doch schon recht verkniffenen Arsch oder sein müdes, schwarz-vergeltes Haupt betten konnte. Oder auch beides. Ihm fehlte ein Sofa.

Das alte war längst abgenutzt. Es hatte lange schon an Glanz verloren. Das Leder klaffte eingerissen, ein marodes Bein musste durch mehrere Bücher ersetzt werden, Bücher, die Herr Kudo gerne als Requisit in seinem Regal gelassen hätte, stärkten sie doch seine intellektuelle Präsenz gegenüber eventuell vorbeischauender Gäste. Es roch – das Sofa, die intellektuelle Masche dagegen, stank ein wenig mehr noch. Das ist eine andere Geschichte.

Patina hat so ihren Reiz, doch in seiner Verlebtheit wirkte das alte Sofa nicht einladend genug, als dass man sich in dessen vertrockneter Haut hätte wohlig vergraben wollen. Eine bunte Decke konnte das verblasste Antlitz des Möbels zwar flüchtig verstecken, doch darunter lauerte Schwund. Eines Tages setzte Herr Kudo das ausgediente Möbel einfach vor die Tür, mitsamt des bunten Fummels. Allein drei zarte Stühle blieben ihm zum Halt. Nun wollte er – nun brauchte er – ein neues Sofa. Und so begann die verzweifelte Suche des Herrn Kudo.

Doch wie nur wie müsste dieses neue Möbelstück geschaffen sein? Es gab derer so viele und alle schienen das gleiche Versprechen zu geben – Geborgenheit. Manche waren verschwenderisch gepolstert, andere elegant und feinbeinig. An einigen sah er viele Verzierungen ohne jeglichen Nutzwert zwar, allein, sie waren hübsch anzuschauen. Manche überzog ein samtenes Weich, andere wirkten weniger pussierlich possierlich, machten aber durchaus einen robusten und praktischen Eindruck, Eigenschaften, die nicht zu unterschätzen waren. Dann gab es diese billigen, mit Plastik überzogenen und in unmögliche Farben getauchten, die sich grell ins Hirn stürzten und dabei das Augenlicht zertraten. Beim Sitzen quietschten sie, das lärmte unschön hochfrequent. Auch gab es solche, die still in einer Ecke standen, kaum wahrnehmbar in ihrer Unterwürfigkeit. Womöglich hätte ein zweites Probesitzen die inneren Werte erst zum Vorschein gebracht, eine versteckte Schublade vielleicht oder ein verträumtes Detail. Dies zu entdecken, dazu kam es oft gar nicht, vergeudete es doch Herrn Kudos kostbare Zeit. So manche Sitzgelegenheit schien auf den ersten Blick wie maßgeschneidert für diesen einen Arsch. Und dann gab es wieder andere, die waren gar für mehrere Sitzpartner offen. Mehrsitzer. Reihensofas. Das konnte man mögen, musste es aber nicht. Herr Kudo wollte sich hier noch nicht festlegen. Ach.

Außerhalb des nackten Zimmers erstreckte sich eine paradiesisch verkleidete Welt voller Sitzmöbel. Was tat Herr Kudo nicht alles, um unter ihnen dieses eine, das seinige, zu finden, das Sofa, das am besten zu ihm passte, das ihn allabendlich auffing, ihm die verschlummerten Sonntagnachmittage versüßte, ihm die Angst vor der Nacktheit seiner Wände und den Inhalten seiner Bücher nahm, eines, das ihm stundenlang zuhören könnte, wenn er aus seinen ordentlich sortierten Schlauheiten rezitierte? Tage durchstreifte er die Stadt, saß mal hier und lag mal dort zur Probe, bettete Haupt und Hintern bald in diese, bald in jene Richtung, liebäugelte mit dem einen Möbel, dann wieder mit dem anderen, ließ sich ein und dasselbe Modell in unterschiedlicher Couleur vorführen, vergrub seine Gliedmaßen mal tief in sündigem Rot, dann wieder strich er feinhändig über distinguiertes Grau. Und allmählich schien ihm die Suche köstlicher als das Finden. Die Vorfreude, wenn in jenem berauschenden Moment der schützende Überwurf von einem unbeschmutzten Sofa glitt und die ganze Schönheit eines zarten Kanapees freigab, sich der betörende Duft frischen Leders eines exzentrischen Diwans in die Lenden schlich oder das prudrige Pastell einer grazilen Couch verhuschte Sommernächte versprach. Ach.

Herr Kudo war im Rausch. Doch jedes Mal, wenn er in sein Heim trat, überfiel ihn diese beifallslose Einsamkeit. Die sinnlichen Stunden seiner Suche am Tage zerbröselten zur staubigen Farblosigkeit in der Nacht. Es kam, was kommen musste. Die einsamen Nächte des Herrn Kudo verloren an Stunden, sie wurden dünn. Die suchtenden Tage hingegen, wusste er zu dehnen, sie streckten ihre Finger nach ihm aus. Klammerten. Glücklich war er dennoch weder bei Licht noch in der Dunkelheit und eine schleichende Entropie nahm Besitz von ihm. Die Zeit verlor sich im Raum und Herr Kudo verlor sich auf seiner Suche…

Januar, Februar, März… und dann kam August

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Ein Jahr ist lang. Zwölf Monate, vier Jahreszeiten. Und nur ein Leben.

Ich fickte Suse, das war im Januar. Vier Wochen Wollust, Schweiß und Bier. Dann hatte ich die Nase voll und Suse dicke Tränensäcke. Im Februar traf ich auf Nina. Die hatte schöne Beine, schlank und ohne Adern. Meine Augen mochten sie, meine Kumpels auch. Zu sehr. Nina war eine Bitch. Eine Bitch mit Damenbeinen, die sich bereitwillig für jeden öffneten. Ich teile so ungern. Im März blühte Sarah neben mir auf. Knospen wie Röschen. Liebliches Möschen. Doch im Kopf, da fuhr sie noch Dreirad. Als Sugardaddy war ich zu jung, als Bruder zu heiß auf ihre Schamhaftigkeit. Mit der war es schnell vorbei. Und eine Jungfrau ohne das Jung verliert an Reiz. So kam der April, der war recht wechselhaft. Namen zogen wie Wolken vorbei, und hängen blieb nur ein Ausschlag am Sack. Als es Mai wurde, überkam mich die Langeweile, eine gewisse Sätte und Müdigkeit machte sich breit. Das hielt nicht lange an, denn der Juni wurde heiß. Natalie versüßte meine Sommernächte. Und die Tage. Und die Nächte. Und auch die Mittagspausen. Ihr Mund war Sünde, ihr Hintern leider nicht. Der war nur schlaff, obwohl sie so oft in die Hocke ging. Jane Fonda behauptete immer, davon gäbe es irgendwann einen Knackarsch. Wann war irgendwann? Im Juli hatte ich folglicherweise Sehnsucht nach prallen Arschbacken und klugen Gesprächen. Doch ich bekam Stille. Mein Telefon wurde abgeschaltet. Irgendwer hatte vergessen, die Rechnungen zu begleichen. Ich fühlte mich nackt. Und einsam.

Und dann kam August. Er war mein Stern im Sommerloch. Seine Augen waren Meere. Sein Haar war Rabenfedern gleich. Er hatte so schöne Hände, dass mir schlecht wurde vor Entzücken. Und flink waren die. Sein Mund war potenzierte Natalie. Und erst sein Hinterteil, es brachte mich zum Weinen. Backen wie mit Samt überzogen, zum ficken geboren. Die lagen fantastisch in meinen Händen und ließen sich so zart spreizen, dass ich bei jedem Stoß meine sexuelle Verwirrung vergaß. Diese überrollte mich erst Monate später, zog mich in den Abgrund. Mein Stern erlosch. Mein Sommerloch brannte und mein Telefon schweigt noch immer. Draußen wird es jetzt wieder kälter. Willst’e Fi(lmgu)cken?

Champagner für die Sinne, Ruhe für den Kopf

Pösie für Lieb & Bösi

Hoch die Gläser, auf dass sie klirren
Soll Edles mir den Kopf verwirren
Mich umnebeln, mich betäuben

Hoch die Gläser, erneut gefüllt
Bis der Kopf nach Ruhe brüllt
Und der Körper matt entschlummert

… und endlich Schlaf mich dunkel hüllt

Die Magie der heruntergekommenen Hüfte

Pösie für Lieb & Bösi

Es dröhnt und knackt
Und wackeln tut es ebenso
In ihm
Laut und dumpf und schmerzhaft
Der alte Mann einst lebensfroh
Nun bröckelt seine Lebenskraft
Rillen im Gesicht und Töne aus dem Hintern
Am Ende macht der Körper, was er will
Mit ihm
Krumm die Beine, Keulen einst
Kein Zauber mehr im grauen Star
Müde Lider, wo früher Leuchten war
Und Hände zittern in kalten Wintern

Doch: im Kopf ein Feuer an Gedanken
Schöne, edle, auch Dreck und Moos
Da paart sich Freude mit Mordgelüsten
Nebst Kochrezepten von Gans mit Klos
Von ihr
Die Brust ihm bebt, die Augen funkeln
Der schlaffe Arsch vor Spannung zuckt
Wenn jetzt das Herz ihm stehen bliebe
Vor Glück
Als die Erinnerung an Liebe
Als Blick ins Land, das weit zurück
Voll Schweiß und blumig-zarter Düfte
Schwappt auf und glüht ein letztes Mal
Die Magie der heruntergekommenen Hüfte

Alle Jahre wieder… Berlin im Schneechaos

Pösie für Lieb & Bösi

Es schneit, nun – das ist nicht neu
Drum wundert’s mich, wie scheu
Erneut die Räumkolonne ist
Haben wir sie doch schon letztes Jahr vermisst

(… und niemand lernt dazu, buhu)

Es schneit, nun – das ist nicht schön
Kann man nur bewaffnet mit dem Föhn
Straßenkrusten überwinden
Um zu seinem Ziel zu finden

(… unter welchem Dreckhaufen verbirgt sich mein Auto?)

Ich sehn den Frühling mir herbei
Mit grünem Gras und buntem Allerlei
An Blumen und an Krauchgetier
Ach wär’ er doch nur schon erst hier

Hilft weder Jammern noch Krakelen
Zugeschneit sind zarte Seelen
Tiefgefroren wie grüne Bohnen
Die in Tiefkühlschränken wohnen

Schnief

Danke an die BVG: Berlin ist …

Pösie für Lieb & Bösi

Stehe Stunden rum und wart’
Neben mir ein Mann mit Bart
Vor mir alte Frau mit Kind
Schaut ganz traurig, wie ein Rind
Das Kleine ist fasziniert vom Bart
Der sich nun mit Schnodder paart

Endlich nähert sich ein Bus
Doch zu allem Überfluss
Ist der schon voll
Wie auch der Mann mit seinem Bart
Stinkt doll nach Schnaps, das ist echt hart

Quetschen, schieben, böser Blick
Tür geht zu mit einem Klick
Menschen atmen, Luft wird knapper
Angefüllt mit Teen-Geplapper
Mann mit Bart und Fuselfahne
Schaut mich an und ich erahne
Gleich wird er mich auserwählen
Und mir all sein Leid erzählen

Bus steht schon wieder statt zu fahren
Gleich mir platzt mein Winterkragen
Neben mir ein Rülps vom Döner
Lilienduft, das wäre schöner
Schließ die Augen, denk mich weit fort
An einen wundersamen Ort
Wo Busse regelmäßig fahren
Bärte sich mit Klingen paaren
Wo ich schöne Dinge seh’ …

Träum weiter – sagt die BVG

 

Bescheidenes Wetter da draußen!

Pösie für Lieb & Bösi

Blaue Stunde
Blauer Kopf
Schlafende Hunde
Beißender Kropf

Würmer schleichen sich vom Himmel
Wühlen sich in’s Hirn hinein
Tropfen fallen mit Gebimmel
Pissend hebt der Hund das Bein

Weiße Stunde
Leerer Kopf
Jaulende Hunde
Schreiender Kropf

Übrigens: Der Feuerlöscher im Bus heißt Gloria. Das ist fast wie ein Sonnenstrahl, oder?

Ein Schmatzen flüchtet durch die Flure

Pösie für Lieb & Bösi

Drei Meter dickes Schwallen
Lallen Lallen Lallen
Ich kann’s nicht mehr ertragen
Will den Dunst ersticken
Will ihn aus dem Stockwerk stoßen
Wünschte, es regnete Messer

Sieben Stufen hinauf ins Loch
Poch Poch Poch
Sie rennen, sie geifern
Sie sabbern sich gegenseitig zu
Und übertrumpfen einander mit Soße
Ertrinken fast im eignen Schmalz

Maus frist Wurm, Krähe frist Maus
Aus Aus Aus
Ein Schmatzen flüchtet durch die Flure
Wie eine Dirne, zu lahm und zu fett
Und am Ende eines Tages
Klopft ein jeder sich die Schulter

Nett Nett Nett

Oh, äh … was? Montag

Pösie für Lieb & Bösi

Wattekopf mit Krausgedanken
Ordnung überschwemmt
Chaos hat famose Pranken
Lummifrub das Denken hemmt

Gemüsesaft die Adern sprengt
Rot und gelb (kommt von der Möhre)
Dickkopf von den Schultern hängt
Opiumduft mir würgt die Röhre

Regen, Sonne, Sonne, Regen
Schwimmflügel ich könnt gebrauchen
Wolkenbrei tropft auf den Brägen
Wär’ ich Fisch, ich würde tauchen

Tauchen, tauchen, immer tiefer
Bis die Nase steckt im Grund
Wühl mich ein in Schlamm und Schiefer
Hände müde, Zunge wund

Wattekopf mit Brägenpanne
Seele sucht nach Kokosmilch
Schütte Kröten in die Wanne
Und ertränk darin den Knilch

Fliegenfänger

Pösie für Lieb & Bösi

Was ist wohl der Unterschied
zwischen all zu schönen Worten
und zuckersüßen Sahnetorten?

Rosarot

Es gibt da keinen
denn sowohl die Einen
als auch die Zweiten
tun zunächst mal Freude bereiten

Zuckerguss

Doch wehe, wehe, wehe
wenn ich dann genau hinsehe:
Süß wie Honig tropfen Worte
ganz genau wie ranzig Torte
triefen, sabbern, schlagen Blasen
wie Seifenlauge auf nassem Rasen

Kurzgenuss

So klebt und schmiert
was reich verziert
und lockt auf falsche Fährte
die Beute, die begehrte

Obacht! Die Fliegenfänger sind unterwegs im Hause …

Sommer auf Abwegen

Pösie für Lieb & Bösi

Mir schwant, der Sommer ist im Arsch,
man könnte sagen fast: Dat warsch!
Am Himmel Aschewolken stehn,
nirgends nicht kein Blau zu sehn.
Mich fröstelt arg, der Hintern zittert,
hab so nicht mal im Herbst gebibbert.
Dicke Jacke, wollne Mütze,
dieses Wetter ist doch Grütze!
Auch im Urlaub war’s kaum wärmer,
dafür bin ich jetzt was ärmer.
Wo ist denn nur die Sonne hin?
Grau in grau, ick glob, ick spinn.
Die macht wohl Ferien, hat sich verpieselt,
drum es bei uns nur immer nieselt.
Mit samt dem Kerl ich bleib im Bett,
so wird der Tag dann dennoch nett.

Am Ende kackt die Ente… oder: Ente gut, alles gut.

Auf Vulkanwolke 7 mit Asche in der Tasche

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Da hatte sie uns doch erwischt, die Vulkanwolke. 13 Stunden Gefangenschaft. Mailand hatte ich anders in Erinnerung. Der Dom ganz nett, der Flughafen – Katastrophe. Von allem zu viel oder zu wenig: zu wenig Sitzplätze, zu wenig saubere Toiletten, zu wenig Steckdosen, zu wenig Service. Dafür ein Zuviel an Menschen, zu viel Weißbrot, zu viel schlechte Luft. Schlangen soweit das müde Auge reicht. Anstehen als internationaler Volkssport, Japaner, Russen, Deutsche, Italiener, Spanier, Ägypter… alle gleich, alle wartend, allesamt Schlangenbändiger. Zuerst anstehen, um den Mietwagen zu bekommen, dann anstehen, um ihn wieder loszuwerden. Jetzt, dank Vulkanwolke, anstehen am Check-in, keine Chance. Alle Flüge abgesagt. Nichts geht mehr. Dann wieder anstehen an der Info-Box – ein einzelner alter Mann hinter Glas, die Ruhe in Person, vor ihm die Massen, aufgewühlt, panisch, von aggressiv bis lethargisch –  sorry, non informazione. Danke, das hilft uns weiter. Einmal quer durch die Halle, erneuter Informationsversuch eine Etage höher. Erneutes Anstehen am Flugschalter von Air Berlin. Erneutes Warten. BlackBerry am Ohr, vielleicht telefonische Seelsorge über die Air-Berlin-Presse-Hotline möglich… Es tut uns leid, Sie rufen außerhalb unserer Öffnungszeiten an… eher nicht.

Endlich dran. Zauberhaftes Mädchen hinterm Schalter, leider wenig Neues. Sie müssen bitte bis 15 Uhr warten, dann können wir Ihnen eventuell weitere Informationen geben. Aber hier haben Sie als kleine Entschädigung einen Gutschein über einen Imbiss. Vorfreude!  Dann… Anstehen an der Snack-Box, einen knittrigen Air-Berlin-Vulkanwolke-Warte-Gutschein über sechs Euro in den ebenso knittrigen Fingern. Flughafenluft macht alt. Warten macht müde. Italiener machen Kaffee.

Ich: Un caffé per favore.

Er gelangweilt: Sandwich and Cola, nothing else.

Ich: Un insalata?

Er: No, Sandwich and Cola.

Ich verzweifelt: Un succo di frutta?

Er, noch etwas weniger freundlich (was schon kaum mehr ging): No! Sandwich and Cola e basta!

Umsonst angestanden. Kurze Pause zum Abreagieren vor der Tür. Rauchschwaden im Gesicht. Hunger im Bauch. Rückkehr ins laute Innere. Diesmal anstehen vor der Steckdose, Handy alle. Halbe Stunde laden, neben mir ein Wartender Anzugträger mit Notebook, von einem Fuß auf den nächsten drippelnd, sein quälender Gesichtsausdruck verrät die Dringlichkeit, mit der er Strom benötigt. Ich überlasse ihm die heiß umkämpfte Steckdose. Einen Apfel, eine halbe Flasche Wasser und zwei tiefe Atemzüge später eine weitere Schlange, diesmal vor der Toilette. Kurz vor dem Ziel, in den Augen schon Tränen, doch die Putzfrau weist mich zurück. Sorry, closed. Ich verstehe nicht genau, warum. Perché? No, no, no toilette here. Alles klar, pullern muss warten.

Endlich die Erlösung, Sitzplatz im Flieger. Stehen wäre deutlich bequemer gewesen. Egal. Zurück in Berlin, anstehen am Kofferband, letzter Koffer meiner. Asche in der Tasche.

Freund oder Feind?

Pösie für Lieb & Bösi

Gut getarnt der Feind
Sich hinter schillernden Blasen versteckt
Während insgeheim er schon die Krallen reckt
Ein Lächeln hier, dort ein Zauberwort mit Glitzerkram
Hinter geschlossenen Türen aber
Bösgelaber
Fallen stehen, Gräben klaffen
Und der Fallstrick ist gespannt
Armer Trottel, der Gutes denkt
Hat sich im Zuckerguss verrannt

Sonntagsbluse mit Stehkragen

Pösie für Lieb & Bösi

Gummiwolken den Himmel verwässern
Sonnenbeine schimmern blässern
Stechen durch Gedankenblasen
Hundekot liegt auf dem Rasen
Auf dem Tisch ein Korb mit Obst
Der Magen leer, das Obst kein Trost

Sonntagsblues, die Welt zu laut
Rote Tram fährt durch die Haut
Ein Radler schreit, sein Hund bellt leise
Japaner lächeln auf der Reise
Jazz im Ohr, den Mann im Blick
Holt mich auf die Welt zurück

… Che …

Wegen gestiegener Nachfrage an Schlüpfern

Pösie für Lieb & Bösi

Es ist schon erstaunlich, über welche Suchbegriffe manch eine(r) auf meinem Blog landet. Neben Worten wie Esel auf Rang eins und Freundschaft auf Platz zwei finden sich auch immer wieder Schlagworte wie dreckige Schlüpfer oder stinkende Unterhose. Dieses ungewaschene Untendrunter-Beinkleid scheint sich also besonderer Beliebtheit zu erfreuen. Ein Grund mehr, ihm einen kleinen Reim zu widmen. Hier nun also die lang ersehnte und bis dato unerwähnte …

… Ode an den Schlüpfer

Oft fein gerippt in Unschuldsweiß,
ziert er des guten Mannes Steiß.

Der Schlüpfer.

Dort sieht man ihn gar mannigfaltig,
bunt geblümt, getupft und streifig,
mit Eingriff mal und mal auch ohne,
um vor dem Abrieb er verschone,
des Mannes allerwicht’ges Stück.

Ja, so eine enge Jeans kann schon mal schubbern auf nackter Haut.

Doch wehe, wehe, wehe,
wenn ich in seine Nähe gehe
und mit arg verwöhntem Näschen
schnupper wie ein Schnuffelhäschen.

Dann sollten Schlüpfer wie sein Träger
mit zartem Duft mich überraschen.
Denn mal ganz ehrlich:
Wer will schon gern von dreck’jen Tellern naschen?

Auf Wunsch eines einzelnen Herren

Pösie für Lieb & Bösi

Ich habe voll die Nase,
vom heißen Tee die Blase,
voll vom Winter – trotz neuer Jacke,
voll vom Schnee – der ist doch K****.
Mag nicht mehr rutschen, schlittern, frieren.
Würd’ lieber im Sonnenschein dinieren.
Würd’ lieber im Blütenrausch verweilen,
über grüne Wiesen eilen.
Möcht’ lieber jetzt im Grase liegen,
um mich herum die summend Fliegen,
(Bienen reimen sich nicht, wären aber netter)
neben mir ein nackter Mann…
Schön, wenn man noch träumen kann.

Wenn Gedanken Hunger haben

Pösie für Lieb & Bösi

Schneesturm, Graupel, rote Ohren,
hab den Arsch mir abgefroren.

Sitz im Office, Heizung brüllt,
Haut sich wie Papier anfühlt.

Kollegen niesen, Kaffee nicht schmeckt,
Wasserkocher ist verreckt.

Kantinenessen – kein Genuss,
Panadenfisch im Überfluss.

Stunden ziehen sich wie Gummis,
bau tagein tagaus nur Dummys.

Gedanken werden schlecht bezahlt,
kaum noch Spaß bei dem Gehalt…

Hauptsache, es reimt sich

Pösie für Lieb & Bösi

An einem Dienstag im Büro…
(In enger Zusammenarbeit mit Kerner & Koesler)

Warum in die Therme scheißen,
sieh, der Lokus steht so nah?
Warum in die Wade beißen,
wenn da schon ein andrer war?

Wann, wenn nicht jetzt?
Wo, wenn nicht hier?
Haben uns verschätzt.
Fressen einen Stier.

Schwenkt ein rotes Tuch
sodann als Provokant.
Lasst ab von dem Eunuch,
der hat sich nur verrannt.

Danke Männers, es war mir ein Vergnügen!

Ja was jetzt, Nikolaus – und wo isser nu?

Pösie für Lieb & Bösi

Advent, Advent, der Toast verbrennt
Kaffee wird kalt, das Ei ist hart
Hab wieder am falschen Ende gespart
Jetzt sitze ich bei Lampenschein
Guck blöde in die Röhre rein
Während draußen Regen fällt
Denkt keiner an’ne Weihnachtswelt

Jedenfalls ich nicht!

Mutti sagt: „Zünd Kerzen an
Damit kommt auch Stimmung an“
Will’s versuchen, nehm gleich drei
Und drumherum noch Allerlei
Bisschen Nadeln, ein paar Nüsse
Hab noch alte Negerküsse (reimte sich so schön)
Doch etwas fehlt, das geb’ ich zu
Und zwar was Süßes in `nem Schuh

Fressen und gefressen werden

Pösie für Lieb & Bösi

Der Kolibri, der Kolibri
Der ist ein wirklich hübsches Vieh
Schnell, galant und zierlich fein
Ziert er der Dame linkes Bein
Alsbald die Schlange im entgegen
Wird windend sich empor bewegen
Ihn zu fassen, ihn zu schlingen
Nur wird ihr das wohl kaum gelingen
Ist’s doch ein Bildnis nur – zum Glück

Muss man sehen um es zu verstehen!

Der Wahnsinn hat Methode

Pösie für Lieb & Bösi

Der Wahnsinn hat Methode
und macht mich ganz marode
ich zapple rum, der Nacken spannt
könnt frustig kacken an die Wand
bringt wohl nix, da muss ich durch
wie durch das Unterholz der Lurch
so schleime ich mich weiter fein
piss niemandem unschön ans Bein
halt meine Klappe und pariere
zum Trost winkt gegen Nacht das Biere
und morgen dann in alter Frische
sitz ich hier wieder fein am Tische

Es lebe der Büroalltag!

Böse Schlange

Pösie für Lieb & Bösi

Es war einmal ein Knabe,
der hatte eine Gabe:
Herzen brechen, Seelen blenden.
Doch gab es niemand, der konnt’ beenden
dies böse Treiben.

Dann kam da diese Schlange,
die wartete schon lange
auf solch Gelegenheit zum Biss –
schnappte, würgte ihn und riss
das Herz ihm aus dem Leib.

Jetzt irrt der Junge ohne Leben,
kann niemals wieder Liebe geben,
kann nur noch taumeln – leer und taub,
wie herbstlich-öde welkend Laub.
Selbst Schuld!

… oder doch noch heilbar?

Es war einmal…

Pösie für Lieb & Bösi

Es war einmal ein Pessimist,
der sah die Welt nicht, wie sie ist,
der sah die Welt nur schwarz und weiß,
den Winter kalt, den Sommer heiß.

Es war einmal ein Egoist,
der erkannte nicht, dass er alleine ist,
mit seinem Selbst, mit seinem Ich.
Am Ende hatte er nur sich.

Es war einmal ein kleines Mädel,
die hatte einen Traum im Schädel,
der war sehr albern, war sehr dumm…

Jetzt weiß sie aber:
Die Welt, die dreht sich andersrum.

Böse Woche…

Pösie für Lieb & Bösi

… und dazu böse Gedanken:

Schande über dich!
Gevierteilt sollst du sein
Und dich erbrechen an deinen blut’gen Eingeweiden –
Brachlandschaften deines Hirns,
Verwelken mögen sie im Angesicht
Des Todes, der dein blasses Antlitz küsst,
Bis dass die letzten Lebensfluten sich ergießen
Aus deinem weißen Leib

Au Backe, böse, böse – passt aber wie Arsch auf Eimer!

Kommunikation – ein verwirrend Ding

Pösie für Lieb & Bösi

Da sagt man was und meint’s nicht so
Da hört man was und denkt sich: Ohhh
Dann sinniert man drüber, grübelt rum
Und letztlich ist’s ganz andersrum

Blöd gelaufen, schade ist’s
Könnt ändern ich nur diesen Mist
Würd drehen gern an Uhr und Zeiger
Doch Zeit ist ein Totalverweig’rer

 

(K)äffchen?

Pösie für Lieb & Bösi

Huck im Käfig wie ein Äffchen
Mache Männchen, klau Bananen
Hätte lieber jetzt ein Käffchen
Statt nur Munterheit zu ahnen

Dreh mich um, schau durch die Scheibe
Seh nur Klüngel, seh nur Schwund
Suche Wörter, verhöker Schreibe
Verbiete selber mir den Mund

Huck im Käfig wie ein Äffchen
Muss betäuben Rinderwahn
Hilft kein Alk, hilft auch kein Käffchen
Bin im Geiste eh schon lahm

Trinkgut

Juchhe, juchhe, am Badesee

Pösie für Lieb & Bösi

Wir waren heut am Badesee, juchhe, juchhe, am Badesee
Nicht am Meer, nicht in der Spree, juchhe, juchhe, am Badesee
Da sah man Leute, ach herrje, juchhe, juchhe, am Badesee
Mit großen Füßen, dickem Zeh,  juchhe, juchhe, am Badesee
Da war viel Gras, aber kein Schnee, juchhe, juchhe, am Badesee
Und wenn ich all das Wasser seh, juchhe, juchhe, am Badesee
Dann wird mein Herz mir ach ganz weh, auweh, auweh, am Badesee
Wär lieber Fisch, doch bin ein Reh, auweh, auweh, am Badesee
Jetzt ist es raus und ich gesteh, auweh, auweh, am Badesee
Nun, dass der Reim zu Ende geh…

Gras, ach was

Mich flimmert heute so & der Sultan trinkt Bier

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Gebannt starrend versuche ich die winzigen Buchstaben auf meinem Monitor zu entziffern. (Macht das eigentlich Sinn – Buchstaben entziffern? Kann man dann auch Zahlen entalphabetisieren?) Bei gefühlten 45 Grad im Schatten der Bürowände ein wahrlich schwieriges Unterfangen, denn der Monitor scheint irgendwie zu flimmern.

Kollege M. meint das auch, Kollege K. hat eine plausibel klingende Erklärung parat: Schuld an dem Dilemma sei die aufsteigende Dunstwärme hitzebedingt stark transpirierender Unterarme, welche heute nur all zu träge auf Tastaturen kleben. Die aufsteigende Heißluft der Gliedmaßen versetze die Pixelpunkte der Bildschirme in derart hektische Schwingung, dass deren Fixierung für das menschliche Auge unter diesen Umständen ein Unding sei.

Das Phänomen ist bekannt als Fata Morgana. Flirrende Luft über schmelzendem Asphalt, am Horizont eine wabernde Karamelkarawane, das Hirn angeschwollen auf Ballongröße. Denken unmöglich, Reden nur unter größtmöglicher Anstrengung, da die Zunge am Gaumen klebt. Hilfe nicht in Sicht, keine Oase, kein labend Nass, kein kühlend Bier – oder doch? Die Tatsache, dass zwei Türen weiter ein auf Hochtouren laufendes Kühlaggregat seit einer Stunde damit beschäftigt ist, Bier auf seine angemessene Trinktemperatur zu bringen, lässt mich weiterleben.

Danke Männers!