Im Hier und Jetzt

Pösie für Lieb & Bösi

Ein Tag zieht seine Fäden und spinnt sich zu Sekunden klein
Ich schaue in den Himmel, da leuchtet es mir ein:
Oben ist oben, darunter ist unten, dazwischen klebt die Zeit
Und während ich sinniere – über das Hier und Jetzt, das Weit und Breit –
Scheißt der Hund die Wand an, einfach so, weil er es kann

Und weil er muss

Es riecht ein wenig, mir wird übel, doch bin ich wohl genug erzogen
Um – statt mich zu erbrechen in hohem, buntem Bogen –
Fein säuberlich gefilterte Gedanken auszuurinieren
Nicht stehend, sondern auf allen meinen Vieren
Angepisst vom Hier und Jetzt, vom Weit und Breit – bekläfft sich selbst der Hund

Ganz Tier

Fremdgesteuert, ferngewartet, das Kind in mir trägt bunte Socken
So bleiben meine Füße warm, das Wasserhirn bleibt trocken
Unten ist unten, darüber ist oben, dazwischen klebt die Zeit
Derweil zerreißt der Tag, zerstreut sich hier und jetzt, weit und breit
Ich pack den Köter bei seinen Pranken, lass ihm das Fell, klau nur Gedanken

Einfach so, weil ich es kann

Ich denke wuff, ich hechle mich frei
Bin halb kastriert, hab noch ein Ei
Das lässt mich breitbeinig durch Straßen streifen
Nach Mietzen hecheln und Pussis pfeifen
Gefällt mir, dieses Hier und Jetzt, das Weit und Breit – ich gönn mir diese Eitelkeit

Tausend Tropfen

Pösie für Lieb & Bösi

Mein Kopf, ein Loch
Und doch sind tausend Worte drin
Ich will sie fangen, will sie kleiden
In Wortgewänder, die mit zartem Stich
Und feiner Nadel sich
Einweben ins Papier, das mir
Im Hier und Jetzt als Zeuge bleibt
Derweil die Zeit verrinnt
Und sich entspinnt in Fäden aus
Vergessenheit, ein Traum verpuppter Eitelkeit
Bereit, sich übermorgen zu entkleiden
Um nackt mit rohen Eingeweiden
In meinem Kopf ein Bad zu nehmen

Mein Kopf, ein Loch
Und doch sind tausend Tropfen drin

 

– Welttag der Poesie –

Die Eitelkeit in dir

Pösie für Lieb & Bösi

Die Eitelkeit in dir ist ein verliebtes Tier,
Das gierig an sich selbst verdaut, spuckt, schluckt und widerkaut,
Sich sonnt in öligen Gedankenlachen

Wie ein Dämon in dir tobt dieses verwundete Tier,
Das ausläuft und brandet wie Gischt, seine Spuren nur halb verwischt,
Sich lautstark erbricht in deinem Hirn

Fast täglich suchst du nach einem neuen Zwirn
Um dich zu flicken und dann den Dämon in den Arsch zu ficken,
Derweil das Tier nur steht – und wartet – mächtig aufgebläht

Mal breit grinsend, oft mitleidig winselnd
Ein plumper Verführer, ein Sucher, ein Spürer
Du wirfst verzweifelt Fallen aus und verfällst doch nur aus dir selbst heraus

Du rennst, drehst dich nackt im Kreis und brennst
Stehst neben dir, neben diesem Tier, siehst im Spiegel dieses WIR
Und empfindest – nichts, nicht mal Leere

Bist weder starr noch angetrieben,
Auf der Suche nach dir selbst, wo bist du abgeblieben?

Nach Atem ringen

Pösie für Lieb & Bösi

An manchen Tagen
Geht die Sonne halbherzig auf und
Der Wind klingt wie ein
Digitales Rauschen

Gedanken bauschen

Am Himmel fiedeln
Arschgeigen in falschen Tönen,
Nur kann ich die Noten nicht lesen,
Weil mir die Augen schwimmen

Ängste glimmen

Das Exil im Kopf
Katert munter vor sich hin…
Hätte ich schönere Beine, ich würde
Kleider tragen und im Kopfstand pinkeln

Geraden winkeln

Bücher füllen sich
Mit Blindtext und Metaphern,
Acht Seiten weiter kleben Bilder,
Die wie Regenbogen klingen

Nach Atem ringen

Häuser fallen aus sich heraus,
Nur deren Wände bleiben stehen –
Will den Kopf daran zerschlagen,
Nicht meinen, der ist schon abgegriffen

Zerschollen an Riffen

Heute ist das Gestern
Von morgen und die Tage stolpern
Über sich selbst –
Jeder singt für sich im Stillen

Stumme Chöre wider Willen

Ein vegetarisches Kinderlied

augenscheinlich, Pösie für Lieb & Bösi

Linsensuppe, Linsensuppe, ess’ den Teller leer mein Kind.
Linsensuppe, Linsensuppe, und dann geh’ und hüt’ das Rind.

Wenn das Rind dann groß und fett, bring es zu des Metzgers Haus,
Messer, Messer, scharf geschliffen, reißen ihm die Därme raus.
Ab den Kopf, zerhackt die Beine, das Blut in einem Topf gefangen,
Hirn gebraten, Schwanz gekocht, die Schinken trocken abgehangen.

Linsensuppe, Linsensuppe, ess’ den Teller leer mein Kind.
Linsensuppe, Linsensuppe, und dann geh’ und hüt’ das Rind.

Das Rind ist tot, der Teller leer, der Tag neigt sich dem Ende zu.
Der Metzger raucht, wischt sich die Hände und legt sich erschöpft zur Ruh.
Des Metzgers Weib hebt seine Röcke, setzt sich auf des Nachbars Sohn,
Stöhnt und schreit und windet sich, lacht und quietscht – der blanke Hohn.

Linsensuppe, Linsensuppe, ess’ den Teller leer mein Kind.
Linsensuppe, Linsensuppe, und dann geh’ und hüt’ das Rind.

Der Metzger aus dem Schlaf gerissen, lauscht dem Treiben in der Nacht,
Wetzt die Messer scharf und schärfer, fühlt sich um die Ehr gebracht.
Er stürzt sich auf sein Weib nebst Nachbar, lässt die Klinge munter springen,
Am Morgen dann gibt’s frisches Fleisch und man hört den Metzger singen:

Linsensuppe, Linsensuppe, ess’ den Teller leer mein Kind.
Linsensuppe, Linsensuppe, und dann geh’ und hüt’ das Rind.

Metzgers Messer

Ein Mähgedicht

Pösie für Lieb & Bösi

Eine Ziege starrt auf einen Mann.
Und dann?
Nichts.

Zwei Ziegen starren auf einen Mann.
Und dann?
Nichts.

Eine dritte Ziege kommt dazu.
Und dann?
Weiter nichts als Ruh.

„Gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen.“
Dennoch bleiben alle Ziegen stehen.
Und dann?

Eine der Ziegen meckert: „Mäh.“
Aus ihrem Arsch es kleckert.
Bäh!

Eine zweite Ziege meckert: „Mäh.“
Welch’ Schande, ach.
Welch’ eine Schmach.

Die dritte Ziege steht und schweigt.
Den Kopf sie leicht zur Seite neigt.
Und denkt ad hoc…

… an einen Ziegenbock.

Ein Prost auf die Beständigkeit

Pösie für Lieb & Bösi

Nun geht der Sommer, soll er doch
Versinkt im eignen Sommerloch
Bis er im nächsten Jahr – ich nehm’ es an
Von vorne anfängt dann
Und wieder werden alle maulen
Zu kalt, zu heiß, zu schwül, zu nass – was soll denn das!?
Es werden Blumen blühen, Wespen stechen
Männer ihre Gärten rechen
Frauen nichts unter kurzen Röcken tragen
Jemand am See `nen Fisch erschlagen
Jemand einen Kuchen backen
Ein Hund wird auf den Rasen kacken
Kinder werden im Brunnen toben
Manch einer wird das Wetter loben
Manch einer wird sehr reich mit Eis
Wer U-Bahn fährt, denkt, was für’n Scheiß
Denn bei 50 Grad im Wagen
Wird jedes Deo erneut versagen
Touristen werden kommen, auch wieder gehen
Manch einer den Park mit Müll versehen
Es wird gegrillt, gechillt und viel gelacht
Wer kann, schläft draußen in warmer Nacht
Es werden wieder Tränen fließen
Es wird wieder Herpes sprießen
Das kommt vom vielen Küssen
Von fremden Mündern und fremden Nüssen
Im Biergarten wird man wieder Bier verkaufen
Ich werde mich wieder damit besaufen
Und wie jedes Jahr dann denken – voll Heiterkeit
Ein Prost auf die Beständigkeit

Ein Schwarm von Und

Pösie für Lieb & Bösi

Ein Schwarm von Vögeln
Und am Boden klebt das Nass
Erinnerungen kreisen
Und Gedanken werden blass

Federn spuckt mein Mund
Und am Boden klebt es rot
Wasserfälle bauschen
Und ein Vogel fällt sich tot

Ein Schwarm von Fischen
Und am Boden klebt ein Wort
Nähe rückt sich fern
Und Stille sehnt sich dort

Seegras tanzt im Licht
Und am Boden kleben Noten
Angst beißt an sich selbst
Und schickt täglich einen Boten

Ein Schwarm von Staub
Und am Boden klebt der Wind
Ich stelle Fragen
Und im Herzen bin ich blind

Muttertag

Pösie für Lieb & Bösi

Gezeugt. Geboren. Geliebt.
Nichts ist vergleichbar mit dem, was eine Mutter gibt
Ich habe solches Glück, dass du die meine bist
Auch wenn ich manchmal angepisst
Von dir, von mir, von uns in unserem Kontrast
Weil wir uns so sehr gleichen
Weil wir so von einander weichen
Weil du bist, wie nur du sein kannst
Weil du alles für mich gibst, nie halb, nur ganz
Und ich bin so, so wie ich bin aus dir
Weil ich dich liebe – immer, jetzt und hier
In meiner Seele. Im Kopf. Im Herz.
Du bist mir Liebe, Freud und Schmerz
Gezeugt. Geboren. Immer geliebt.
Nichts ist vergleichbar mit dem, was meine Mutter mir gibt.

 

8 Sekunden – so ewig

Pösie für Lieb & Bösi, schreibchenweise

Im Kopf ein Meer aus Fragen
Die Perücken tragen
Sich in falschen Fummeln winden
Und keinen Ausgang finden
Stolpernd durch die graue Masse treiben
Ohne Sinn –
Bleiben

Im Auge trübschwarze Bilder tropfen
Den Puls zu Tode klopfen
Gierig an den Haaren zerren
Und Mutmaßungen plerren
Bis man beginnt, sich um sich selbst
Zu drehen –
Stehen. Bleiben

Die Hände hack ich ab mit bunten Quasten
Damit sie nicht nach Dummheit tasten
Und lächelnd zur Grimasse aufgetragen
Versteck ich all die Fragen
Für acht Sekunden nur
So kurz –
So ewig. Bleiben

Mundspei Ohrenbrei

Pösie für Lieb & Bösi, schreibchenweise

Stille. Mein größter Wunsch ist Stille. Stattdessen höre ich ungefiltert dieses Gurgeln, Hämmern, Jammern, Murmeln, Quäken, Zischeln, Trommeln, Blubbern, Dröhnen, Bimmeln, Sabbeln, Ächzen, Grunzen, Stöhnen, Röhren, Pfeifen, Kreischen, Niesen, Räuspern, Tribbeln, Ruscheln, Nörgeln, Knirschen, Schlürfen… Großraumanimals auf ihrer Pirsch. Der Tag verschlingt sich selbst und spuckt sich stündlich wieder aus.

Er quillt mir aus den Ohren, dieser Brei aus Lauten, klumpt auf meine Seidenbluse, krustet sich den Rücken entlang zum Steiß, bröckelt träge auf den Boden und bildet eine Lache aus getrocknetem Mundspei bis zum Knöchel. Bitte, ich trage Ledersohlen! Fünfundzwanzigeinhalb Stunden ununterbrochen Erbrochenes. Jeder Ton ein Hackebeil in meinem Kopf. Die Paukenhöhle am Zerbersten. Hammer auf Amboss, Hammer auf Amboss, Hammer auf Amboss. Stereozilien kurz vor der Entwurzelung durch monologische Penetration. Geplärrtes Nasalsputum. Verbales Malträtieren. Gehustete Vergewaltigung.

Sadistische Gedanken manifestieren sich, zucken epileptisch hinter meinen Augen. Ich streife doppelt gummierte Handschuhe in freundlichem Gelb über und reiße Zungen aus Kehlen, stopfe die halbtoten Lappen in die Schlaglöcher dieser Stadt und reite mit Winterbeschlag im Galopp darüber. Vierhufiges Zungenpiercing. Straßenschnitzel. Dann erhebe ich Maulmaut und ahnde jedes Missachten auf Gutdünken. Ein Dezibel zu viel kostet mindestens sieben Finger. Fingerhack als Maßeinheit.  Die Wurstindustrie wird es mir danken. Kinder, esst mehr Finger-Food!

Und plötzlich denke ich, ach, tropfe mir heißes Wachs in die geschändeten Ohren, schiebe mir ein Stück Sonne in den Hintern und grinse. Am Himmel scheint ein Honigkuchen gülden durch die Wolken und in meinen Nebenhöhlen blühen Lilien süßlich vor sich hin. Ach.

Der Tag verschlingt sich selbst
und spuckt sich stündlich wieder aus.
Am Morgen stinkt er grün,
am Abend sieht er wütend aus.
Nach Stunden, die im Rausch ersticken,
ziehen Würmer durch das Hirn.
Die Nacht wird diesen Tag verficken,
dem geifernd Mond biet ich die Stirn.

Ach.

Du fragst, was ist … ?

Pösie für Lieb & Bösi, schreibchenweise

Leben ist das, was brennt, faucht, lacht.
Leben ist zum Leben gemacht.
Leben ist reden. Leben ist Stille.
Leben ist lassen. Leben ist Wille.
Leben ist mal unten, mal ganz oben.
Leben ist stillstehen. Leben ist toben.
Leben ist ankommen und wieder gehen.
Leben ist Augen zu. Leben ist sehen.
Leben ist Blut. Leben ist Pflaster.
Leben ist Regel. Leben ist Laster.
Leben ist, was du daraus machst.
Leben ist schlafen. Und Leben ist besonders dann, wenn du erwachst.

Armer Friedrich

Pösie für Lieb & Bösi, schreibchenweise

Friedrich war… was er war. Nicht mehr. Nicht weniger. Sein Horizont schien näher als die Flasche Korn auf seinem Beistelltisch. Im Sofabezug unter seinem Hintern klafften Löcher. An der Decke über ihm hing eine nackte Birne. Seinen Kopf zierte ein Kranz. In seiner Suppe schwammen Augen. Abend für Abend löffelte er, stippte Brot, nippte Korn. Zwischen dem Schlürfen und Pfurzen hörte man die Streitigkeiten der Nachbarn. Ein Kind schrie, ein Mann verfluchte jemanden, eine Frau kreischte, ein Tür knallte. Aus dem Fenster stürzte sich eine Fliege in den Hinterhof. Zivile Banalitäten. Öffentliche Kanalisation. Das Radio summte irgendein Lied.

Geboren und aufgewachsen in einer Kleinstadt zog es Friedrich schon früh in den Abgrund. Vater Säufer, dessen Schwester erst Vaterhure dann Hurensohns Mutter. Sein Bruder erst ein Unfall, dann ein Reinfall. Er selbst das Resultat dieses familiären Durcheinanders, das unter Strafe steht. In der Schule fand er keinen Halt, keine Freunde, keine Bildung. Gefallen fand er nur am Drogenrausch. Es war der einfache Weg. Sich hingeben. Sich ergeben. Sich aufgeben. Der steinigere Weg hätte Charakter vorausgesetzt, moralisches Gewissen, empathische Kompetenz. Und Mut. All das war nicht käuflich wie billiger Schnaps und schlechtes Heroin. Jede Nacht klatschte der Schlafmohn Beifall und am Himmel tanzten Augäpfel während Friedrich zu dem wurde, der er heute ist. Die Widrigkeiten des Lebens verformten ihn. Das arme Kind konnte nichts dafür, dass seine Eltern keine Helden waren, sein Bruder nie eine Chance hatte und ihm selbst nur Steine in den Weg gelegt wurden. Da hatte sein Bruder wahrlich mehr Glück. Der blieb von all dem verschont. Er landete noch vor seiner wirklichen Lebzeit in einer Toilette. Man könnte sagen, er schwamm rechtzeitig mit dem Strom. Friedrich war für das Klo schon zu groß als seine Mutter entschied, ihn in das Leben zu stoßen. Er kam mit dem Hintern nach vorn auf die Welt. Sein Arschloch war das Erste, was man von ihm sah. Der entbindende Arzt meinte, es läge wohl an dem wenigen Fruchtwasser, das seine Mutter in der Schwangerschaft gebildet hatte. Kirschlikör zu kippen hieße nicht zwangsläufig gute Fruchtwasserbildung. Als ihr der Arzt den frischen Friedrich auf die Brust legen wollte, dreht sich seine Mutter mit Abscheu zur Seite und weinte. Ihn zu stillen brachte sie nicht fertig. „Er hat ein böses Gesicht“, sagte sie, „ich will ihn nicht an meinem Körper haben.“  Das hatte Folgen. Als Halbwüchsiger stach Friedrich dem alten Nachbarshund zwei Bleistifte in die Augen. Auf die Frage seines Vaters, warum er das getan hatte, antwortete er: „Der hat mich nie angeschaut, da braucht der auch keine Augen.“

Der Hund starb kurz darauf. Friedrich bekam neue Bleistifte und ging in eine besondere Schule. Hunde und Menschen machten fortan einen weiten Bogen um ihn. An irgendeinem Morgen packte Friedrichs Vater ein paar Hemden in eine Tasche, sah in kurz an, schüttelte den Kopf, stieg in seinen alten Opel und fuhrt davon. Zwei Wochen später kam ein neuer Mann ins Haus und ging wieder. Es folgte ein Zweiter und Dritter, dann hörte Friedrich auf zu zählen. Einer fuhr mit dem Motorrad davon, einer mit dem Rad, einer lief recht flink in Badelatschen von dannen. Die Wohnungstür glich einer Hundeklappe. Jeder Streuner fand den Weg mühelos hinein und schnell wieder hinaus. Irgendwann verließ auch Friedrich das Haus seine Mutter, und zum ersten Mal seit vielen Jahren schlief sie eine Nacht lang ruhig durch. Es war still. Nur aus dem Radio säuselte leise …
… ein Lied. In diesem Moment musste Friedrich an seine Mutter denken.

Er schließt die Augen und rennt
Hinter den Lidern das Koma brennt
Flammende Pein
Nicht artig, nicht rein
Gebranntes Hirn – es stinkt
Schwelendes Elend, schlurft und hinkt
Er droht zu ersticken
Der Tod will ihn ficken
Zerrt am Gedärm
Im Kopf tobt Lärm
Winden
Krümmen
Wimmern

Der Tod wischt sich den Mund
Wäscht sich die Hände und …

… draußen bellt ein Hund

Gehirn aus Cashmere

Pösie für Lieb & Bösi, schreibchenweise

In meinem Gehirn aus Cashmere
Schleichen Krallen
Aus meinen Augen lass ich nach und nach
Die faulen Äpfel fallen
Durch meine Hände rinnen deine Ängste
Und werden Seen mit schwarzen Karpfen drin

Nur manchmal noch, in meinen Träumen
Aus dünn gesponnenen Ideen
Da stiehlt das Raubtier sich davon und ich…
… ich werfe meine Angeln in die Seen
Am Grund seh’ ich dich fliehen dann, auf Silberkugeln
Jetzt wach ich auf und atme Goldstaub aus  – als leisen Husten

Die Anemone

Pösie für Lieb & Bösi, schreibchenweise

Es war einmal ne Anemone
Die ging gern baden – oben ohne
Doch das Bad in der Menge
Und all das Gedränge
Waren ihr zuwider
Dieses Körper-an-Körper, das Auf-und-Nieder
Zu viele Arme, zu viele Beine
Sind’s die eigenen oder sind es seine
Ein Durcheinander, tausend und ein Tentakel
Mancher ganz blass, mancher voll Makel
Dazwischen Fische, Schnecken, Krebsgetier
Um Ufer grast ein Wasserstier

Zu viel! Die Anemone sehnt sich nach Leere…
„Ach wenn ich doch nur allein wäre“

… und macht sich auf in vollem Lauf
Verlässt die Gruppe, der ist das Schnuppe
„Soll se doch gehen, die eitle Puppe“

Des Meeres Busen wogt und rauscht
Mit Wellen zu Türmen aufgebauscht
Am Himmel ein hungriger Vogel kreist
Ins Wasser scheißt
Hernieder fällt mit spitzem Schnabel
Piekt und sticht, als wär’s ne Gabel
Greift sich flink das Blumentier
Schluckt es im Stück und voller Gier

Am Meeresboden – Leere
Ach wenn sie doch nur geblieben wäre

Der Lauf der Dinge

Pösie für Lieb & Bösi, schreibchenweise

Eine Frau sortiert ihr Leben
Nicht im Kopf, in ihrer Tasche eben
Eine cremt die rauen Hände
Ihr Kind leckt Wände
Ein Hund muss pissen
Ich seh’s ihm an und will’s nicht wissen
Zwei Mädels sind am Schminken
Gegenüber, die Männer stinken
Um Sitze wird gestritten
Eine Frau zeigt ihre Titten
Ein Mann wird laut „Was will die Braut?“
Ein anderer lacht
Kommt aus der Nacht
Geht in den Tag mit seinem Kater
Gesicht ganz blass, ganz roh, ganz Krater
Die U-Bahn hält
Der Hund, der bellt
Das Kind will raus, die Mutter nicht
Kind zieht Schnute, Mutter spricht
Zu laut, zu grob, zu unsensibel
Ich schaue raus, seh Häusergiebel
Fenster, Bäume und Balkone
Ein Mann, der raucht – mit oben ohne
Auf einem hängt Wäsche, nicht schön, nur nass
Neben mir der Mann wird blass
Torkelt, kippt, fällt auf den Boden
Aus seiner Hose quillt ein Hoden
Ich dreh mich um, will weg, muss raus
Ziehe meine Schuhe aus
Hüpfe singend durch die Bahn
Die Augen weit vom U-Bahn-Wahn
Im Ohr ein Klingen, schrill und fein
Jetzt hüpfe ich auf einem Bein
Man macht mir Platz, man lässt mich ziehen
Ich kann dem Wahnsinn hier entfliehen
Breite meine Flügel aus und springe…
… um morgen wieder hier zu sein – das ist der Lauf der Dinge

¡Qué pena!*

Pösie für Lieb & Bösi, schreibchenweise

Als Trophäe bekommt der Sieger den Schwanz des Verlierers. Ich stelle das Glas mit seinen Eiern in mein Regal, zu all den anderen…

Da kniet er in seinem weißen Zwirn
Im Sand die Knie, zum Himmel die Stirn
¡Viva la corrida!  ¡Viva el matador!
Die Arena tobt, die Menge schreit im Chor

Die Picadores, sie reiten und schwitzen
Und Menschen springen von ihren Sitzen
Nur der Stier steht plötzlich ganz still
Weil er jetzt und hier und so nicht sterben will

Dann beginnen sie ihn umher zu hetzen
Heben die Lanzen, um ihn zu verletzen
Blut tränkt den Sand, die Masse – sie singt
Während der Stier um Würde ringt

Stille. Blut tropft. Schweiß perlt. Der Himmel ist blau.

El Matador – steht sicher, setzt an zum letzten Stoß
Und es regt Wollust sich in seinem Schoß
Der Stier senkt seinen schönen Kopf…
… und spießt ihn einfach auf, den armen Tropf

Ich dreh mich um, verlasse grinsend die Arena
Und denke so bei mir ganz still: ¡Qué pena!
Schön war er, der Matador, und eitel noch dazu
Soll er schmoren in der Hölle, ich wünsch’ ihm gute Ruh

 * Wie schade!

Im Rausch

Pösie für Lieb & Bösi, schreibchenweise

„Was willst du hier?“ Sie schaut zu ihm hoch, blinzelt gegen die Sonne.

„Ich will lieben.“ Antwortet er.

„Und was willst du dann von mir?“

Er zuckt nur die Schultern und lehnt sich gegen den Baum. In seinem Rücken zerfällt eine Stadt mit all ihren Strömungen. Es stinkt ein wenig von ihr herüber. Genug, um angewidert zu sein, zu wenig, um sich zu erbrechen. Im Baum sitzt kein Vogel, der kein Lied singt. Da scheißt nur eine Krähe die halbverdaute Rattenbrut wieder aus. Ein schwarzgraues Neozoon in einem halbgrünen Apfelbaum. In seinen Träumen trug er Blüten, der Baum. In ihren Träumen trug er Narben und der Baum schob seine Wurzeln in den Himmel. In der Stadt weint eine Ratte um ihre Jungen. Träumen Ratten?

„Ich werde dich erschießen.“ Lächelt sie ihn an.

„Wird das wehtun?“ Er setzt sich neben sie, stochert im Krähenkot, unterdrückt das Flackern in seinem Kopf.

„Nicht mehr, als der Verlust von Schamgefühl.“

Manchmal versteht er sie nicht. Das berauscht ihn, auch wenn es ungesund schmeckt. Heute kaut er nicht, er verschlingt sie einfach. Der Nachgeschmack kommt später, er wird süßlich sein. Wird sich über seine Zunge ergießen und die Stadt überschwemmen. Die Ratten werden quieken und sich verflüchtigen. In Panik werden sie sich wünschen, auf Krähen zu reiten. Unter dem Baum welkt der Frühling und der Sommer vergeht sich.

Er ist im Rausch, nicht mehr bei Sinnen
Sein Außen schält sich hart nach innen
Sein Kern zerflossen
Schuppt sich davon
Das Hirn erschossen
Weiß nicht, wovon

Sie hält den Colt, verfehlt nur selten
In ihm zerbrechen tausend Welten
Sein Kopf am Pfahl
Sein Herz am Galgen
Die Augen kahl
Die Brust voll Algen

Jetzt frisst der Boden seine Füße
Stößt sauer auf, kotzt bittre Süße
Sie spuckt nur Tränen
Er blutet aus
Dann muss sie gähnen
Und geht nachhaus

Bermudadreieck

Pösie für Lieb & Bösi

Es war ein Sturm, kurz, heftig, spürbar
Es war salziges Wasser, tief, reibend, brennend

Treibsand am Meeresboden

Es war ein Verlust schon bevor es begann
Es gab keinen Kompass und kein Land

Geisterschiffe auf offener See

Es gab kein Davor und kein Danach
Es war ein Strudel aus weißem Wasser und Magneten

Jetzt ist es still und ich sehne mich nach Sturm

Im Waschsalon wird alles sauber

Pösie für Lieb & Bösi, schreibchenweise

Nur die Gedanken bleiben schwarz

Von oben flackert es. Vor ihm dreht es sich. Unter ihm fährt eine Metro. 21, 22, 23, 24… Schleudern. Spülen. Pumpen. Der Stuhl, auf dem er sitzt, ist hart, wie immer. Es riecht nach Sauberkeit und Bleiche. Kacheln an den Wänden, Kacheln an den Füßen, Kacheln in seinem Kopf, mit Fugen, die brechen und sich verstreuen. Ausgekrümelt werden sie sich in die Sohlen derjenigen eintreten, die versuchen, ihren Schmutz hier zu lassen. Im Waschsalon ist alles sauber – hinterher und drumherum. Und das Dazwischen stinkt. Münzen im Tausch gegen weißes Pulver. Blutspritzer auf anonymen Hemden im Tausch gegen weiße Kragen. Schwarze Erinnerungen im Tausch gegen weiße Gedanken.

Wahllos stopft er alles in eine Tasche, dreckige Socken, ausgeleierte Hosen, beschmierte Hemden, zerrissene Haut. Waschtag. Im Hausflur stehen Räder. Am Himmel stehen Wolken. Am Handgelenk steht seine Uhr. Sie hat es aufgegeben, gegen die Trägheit der Zeit zu rebellieren. Jetzt ist sie schmucklose Zierde, ein Relikt – keines, an dem Nostalgie klebt, einfach nur eines, das stumm nach Gewohnheit klingt. Die Schritte sind die gleichen wie jede Woche, 21, 22, 23, 24… Schleudern. Schwanken. Auffangen. Der Boden, auf dem er geht, ist hart, wie immer. Es riecht nach Winter und Salz. In der Häuserzeile vor ihm lockt ein Neonlicht. Es flackert. Weit aufgerissene Fensteraugen klimpern. Zu hektisch, Wärme schenkt andere Blicke. Die lässt sich besser trinken, füllt den Magen, stillt den Kopf.

Die Trommel schluckt, füllt sich, will sich fast erbrechen. Er füttert weiter. Von oben flackert es. Vor ihm dreht es sich. Neben ihm der Stuhl ist leer… 25, 26, 27, 28, 45 Minuten später ist alles sauber, gespült, gestärkt. Die Trommel spuckt, er atmet Chlor. Unter ihm fährt eine Metro. 46, 47, 48… Wochen ist es her, dass ihre Tür sich schloss. Im Hausflur standen Nachbarn. Am Himmel stand eine Sonne. In seinem Magen stand seine ganze Welt. Stille im Tausch gegen laute Worte. Gefühle im Tausch gegen Blei. Ein Karton voller Bücher im Tausch gegen leere Wände. Auf einem Zettel starben Worte … 34, 35, 36, 37

Wir verlieren uns
Ganz still, ganz leise
In der Zeit, die wir
Nicht teilen

Wir entfernen uns
Rasend langsam
In dem Raum, der uns
Nicht bleibt

Wir vergessen uns
Werden blasser
Und verschwinden
Wie Bleistift auf Papier

Weiße Gedanken

Pösie für Lieb & Bösi

Es schneit. Flockige kleine Augäpfel,
die das Grau zwischen meinem Himmel
und deiner Erde kosen.
Zwei davon mögen dir sein,
mir jetzt ein wenig mehr gehören als gestern noch,
mit ihren Blicken. Nur mir.
Und in der Stille schlagen ihre Wimpern,
kaum gefühlt. Haben mir mein Blut zerwühlt.
Und in der Stille sehen sie,
was nur ich sonst seh’ – den Schnee…

… und meine weißen Gedanken.

FrOOstern!

augenscheinlich, Pösie für Lieb & Bösi

Weil’s doch so wichtig ist, dachte ich, ich widme dem Hauptdarsteller mal ein paar Zeilen. Nun denn:

Was wär’ die Welt nur ohne Eier?
Es wäre traurig der Herr Meier.
Es wär’ frustriert des Meiers Weib,
dann hätte sie kein Kind im Leib.
Ihr Magen leer, der Stall ganz stumm,
nirgends liefen Hühner rum.
Es gäb’ kein Impfstoff, es gäb’ nur Seuchen,
fast jeder würde Husten keuchen.
Der Hase wäre ohne Job
und hätt’ nur dummes Zeug im Kopp.
Er würde rammeln noch und nöcher,
er würde buddeln Rasenlöcher.
Auch Dioxin wüsst’ nicht wohin,
jetzt ist es in den Eiern drin.

Das Ei an sich erscheint mir nichtig,
doch manchem ist es furchtbar wichtig.
Es gibt die großen, es gibt die kleinen,
mal hängen sie nur zwischen Beinen,
mal hängen sie an einem Strauch,
schmücken bunte Teller auch.
Mal sind sie süß, mit Schokolade,
mal sind sie schlecht, das ist dann schade.
Und doch – was wär’ ein Ostern ohne Eier?
Ich wär’ so traurig, ganz wie Herr Meier.

Übrigens – so wird auch heute noch der Eierlikör gewonnen. Ei, Ei, Ei, verboten…

Werben & verlaufen

Pösie für Lieb & Bösi

Da steht er nun, der große Verkäufer
Aus seinem Mund die Blasen quillen
An seinen Füßen zirpen Grillen
Die Hände schön in Form gefaltet
Die Schuhe blank, jedoch veraltet

Bla bla bla und blababla

Sein Gegenüber die Stirne kräuselt
Während er Worthülsen säuselt
Sich sonnt in seinem Hin und Her
Mit Worten viel, der Inhalt leer

Werben und verkaufen
Das ist sein täglich Brot
Doch hat er sich verlaufen
Steht knietief nun im Kot

Der Feind auf meiner Gurke: EHEC

Pösie für Lieb & Bösi

oder: Die Gurke war der Schurke

Mir knurrt der Magen, dem Virus auch
Frisst sich durch Gurken, dann durch den Bauch
Geboren aus Gülle, geboren als Feind
Sitzt auf Gemüse, sitzt da und greint

Heul doch, Virus, Fressfeind du
Lass ab von Grünzeug, Schwein und Kuh
Geh dahin, wo der Pfeffer welkt
Dich hat hier niemand nicht bestellt

Und die Moral von der Geschicht:
Esst Kuhkackegedüngtes nicht

Champagner für die Sinne, Ruhe für den Kopf

Pösie für Lieb & Bösi

Hoch die Gläser, auf dass sie klirren
Soll Edles mir den Kopf verwirren
Mich umnebeln, mich betäuben

Hoch die Gläser, erneut gefüllt
Bis der Kopf nach Ruhe brüllt
Und der Körper matt entschlummert

… und endlich Schlaf mich dunkel hüllt

Die Magie der heruntergekommenen Hüfte

Pösie für Lieb & Bösi

Es dröhnt und knackt
Und wackeln tut es ebenso
In ihm
Laut und dumpf und schmerzhaft
Der alte Mann einst lebensfroh
Nun bröckelt seine Lebenskraft
Rillen im Gesicht und Töne aus dem Hintern
Am Ende macht der Körper, was er will
Mit ihm
Krumm die Beine, Keulen einst
Kein Zauber mehr im grauen Star
Müde Lider, wo früher Leuchten war
Und Hände zittern in kalten Wintern

Doch: im Kopf ein Feuer an Gedanken
Schöne, edle, auch Dreck und Moos
Da paart sich Freude mit Mordgelüsten
Nebst Kochrezepten von Gans mit Klos
Von ihr
Die Brust ihm bebt, die Augen funkeln
Der schlaffe Arsch vor Spannung zuckt
Wenn jetzt das Herz ihm stehen bliebe
Vor Glück
Als die Erinnerung an Liebe
Als Blick ins Land, das weit zurück
Voll Schweiß und blumig-zarter Düfte
Schwappt auf und glüht ein letztes Mal
Die Magie der heruntergekommenen Hüfte

Alle Jahre wieder… Berlin im Schneechaos

Pösie für Lieb & Bösi

Es schneit, nun – das ist nicht neu
Drum wundert’s mich, wie scheu
Erneut die Räumkolonne ist
Haben wir sie doch schon letztes Jahr vermisst

(… und niemand lernt dazu, buhu)

Es schneit, nun – das ist nicht schön
Kann man nur bewaffnet mit dem Föhn
Straßenkrusten überwinden
Um zu seinem Ziel zu finden

(… unter welchem Dreckhaufen verbirgt sich mein Auto?)

Ich sehn den Frühling mir herbei
Mit grünem Gras und buntem Allerlei
An Blumen und an Krauchgetier
Ach wär’ er doch nur schon erst hier

Hilft weder Jammern noch Krakelen
Zugeschneit sind zarte Seelen
Tiefgefroren wie grüne Bohnen
Die in Tiefkühlschränken wohnen

Schnief

Danke an die BVG: Berlin ist …

Pösie für Lieb & Bösi

Stehe Stunden rum und wart’
Neben mir ein Mann mit Bart
Vor mir alte Frau mit Kind
Schaut ganz traurig, wie ein Rind
Das Kleine ist fasziniert vom Bart
Der sich nun mit Schnodder paart

Endlich nähert sich ein Bus
Doch zu allem Überfluss
Ist der schon voll
Wie auch der Mann mit seinem Bart
Stinkt doll nach Schnaps, das ist echt hart

Quetschen, schieben, böser Blick
Tür geht zu mit einem Klick
Menschen atmen, Luft wird knapper
Angefüllt mit Teen-Geplapper
Mann mit Bart und Fuselfahne
Schaut mich an und ich erahne
Gleich wird er mich auserwählen
Und mir all sein Leid erzählen

Bus steht schon wieder statt zu fahren
Gleich mir platzt mein Winterkragen
Neben mir ein Rülps vom Döner
Lilienduft, das wäre schöner
Schließ die Augen, denk mich weit fort
An einen wundersamen Ort
Wo Busse regelmäßig fahren
Bärte sich mit Klingen paaren
Wo ich schöne Dinge seh’ …

Träum weiter – sagt die BVG

 

Bescheidenes Wetter da draußen!

Pösie für Lieb & Bösi

Blaue Stunde
Blauer Kopf
Schlafende Hunde
Beißender Kropf

Würmer schleichen sich vom Himmel
Wühlen sich in’s Hirn hinein
Tropfen fallen mit Gebimmel
Pissend hebt der Hund das Bein

Weiße Stunde
Leerer Kopf
Jaulende Hunde
Schreiender Kropf

Übrigens: Der Feuerlöscher im Bus heißt Gloria. Das ist fast wie ein Sonnenstrahl, oder?

Wenn Motten schwimmen wollen

Pösie für Lieb & Bösi

Es war einmal eine Rosskastanienminiermotte,
die wäre lieber eine Sprotte,
könnt tummeln sich im Bächelein.
(Nein, könnte sie nich,
denn die Sprotte an sich
tummelt sich wenn dann in Meeren.)
Doch um zum Thema zurückzukehren:
Diese kleine, fette Motte,
die definitiv war keine Sprotte,
sprang – als könnt sie wirklich schwimmen,
in einen Bach …
Ach,
da war’s um sie geschehen,
und alle konnten sehen:
(bis auf die Motte, denn die war ja tot)
Motten in Wasser, das scheint schlecht zu laufen,
denn wie das so ist, die tun halt ersaufen.

Ein Schmatzen flüchtet durch die Flure

Pösie für Lieb & Bösi

Drei Meter dickes Schwallen
Lallen Lallen Lallen
Ich kann’s nicht mehr ertragen
Will den Dunst ersticken
Will ihn aus dem Stockwerk stoßen
Wünschte, es regnete Messer

Sieben Stufen hinauf ins Loch
Poch Poch Poch
Sie rennen, sie geifern
Sie sabbern sich gegenseitig zu
Und übertrumpfen einander mit Soße
Ertrinken fast im eignen Schmalz

Maus frist Wurm, Krähe frist Maus
Aus Aus Aus
Ein Schmatzen flüchtet durch die Flure
Wie eine Dirne, zu lahm und zu fett
Und am Ende eines Tages
Klopft ein jeder sich die Schulter

Nett Nett Nett

Oh, äh … was? Montag

Pösie für Lieb & Bösi

Wattekopf mit Krausgedanken
Ordnung überschwemmt
Chaos hat famose Pranken
Lummifrub das Denken hemmt

Gemüsesaft die Adern sprengt
Rot und gelb (kommt von der Möhre)
Dickkopf von den Schultern hängt
Opiumduft mir würgt die Röhre

Regen, Sonne, Sonne, Regen
Schwimmflügel ich könnt gebrauchen
Wolkenbrei tropft auf den Brägen
Wär’ ich Fisch, ich würde tauchen

Tauchen, tauchen, immer tiefer
Bis die Nase steckt im Grund
Wühl mich ein in Schlamm und Schiefer
Hände müde, Zunge wund

Wattekopf mit Brägenpanne
Seele sucht nach Kokosmilch
Schütte Kröten in die Wanne
Und ertränk darin den Knilch

Fliegenfänger

Pösie für Lieb & Bösi

Was ist wohl der Unterschied
zwischen all zu schönen Worten
und zuckersüßen Sahnetorten?

Rosarot

Es gibt da keinen
denn sowohl die Einen
als auch die Zweiten
tun zunächst mal Freude bereiten

Zuckerguss

Doch wehe, wehe, wehe
wenn ich dann genau hinsehe:
Süß wie Honig tropfen Worte
ganz genau wie ranzig Torte
triefen, sabbern, schlagen Blasen
wie Seifenlauge auf nassem Rasen

Kurzgenuss

So klebt und schmiert
was reich verziert
und lockt auf falsche Fährte
die Beute, die begehrte

Obacht! Die Fliegenfänger sind unterwegs im Hause …

Sommer auf Abwegen

Pösie für Lieb & Bösi

Mir schwant, der Sommer ist im Arsch,
man könnte sagen fast: Dat warsch!
Am Himmel Aschewolken stehn,
nirgends nicht kein Blau zu sehn.
Mich fröstelt arg, der Hintern zittert,
hab so nicht mal im Herbst gebibbert.
Dicke Jacke, wollne Mütze,
dieses Wetter ist doch Grütze!
Auch im Urlaub war’s kaum wärmer,
dafür bin ich jetzt was ärmer.
Wo ist denn nur die Sonne hin?
Grau in grau, ick glob, ick spinn.
Die macht wohl Ferien, hat sich verpieselt,
drum es bei uns nur immer nieselt.
Mit samt dem Kerl ich bleib im Bett,
so wird der Tag dann dennoch nett.

Am Ende kackt die Ente… oder: Ente gut, alles gut.

Freund oder Feind?

Pösie für Lieb & Bösi

Gut getarnt der Feind
Sich hinter schillernden Blasen versteckt
Während insgeheim er schon die Krallen reckt
Ein Lächeln hier, dort ein Zauberwort mit Glitzerkram
Hinter geschlossenen Türen aber
Bösgelaber
Fallen stehen, Gräben klaffen
Und der Fallstrick ist gespannt
Armer Trottel, der Gutes denkt
Hat sich im Zuckerguss verrannt

Sonntagsbluse mit Stehkragen

Pösie für Lieb & Bösi

Gummiwolken den Himmel verwässern
Sonnenbeine schimmern blässern
Stechen durch Gedankenblasen
Hundekot liegt auf dem Rasen
Auf dem Tisch ein Korb mit Obst
Der Magen leer, das Obst kein Trost

Sonntagsblues, die Welt zu laut
Rote Tram fährt durch die Haut
Ein Radler schreit, sein Hund bellt leise
Japaner lächeln auf der Reise
Jazz im Ohr, den Mann im Blick
Holt mich auf die Welt zurück

… Che …

Wegen gestiegener Nachfrage an Schlüpfern

Pösie für Lieb & Bösi

Es ist schon erstaunlich, über welche Suchbegriffe manch eine(r) auf meinem Blog landet. Neben Worten wie Esel auf Rang eins und Freundschaft auf Platz zwei finden sich auch immer wieder Schlagworte wie dreckige Schlüpfer oder stinkende Unterhose. Dieses ungewaschene Untendrunter-Beinkleid scheint sich also besonderer Beliebtheit zu erfreuen. Ein Grund mehr, ihm einen kleinen Reim zu widmen. Hier nun also die lang ersehnte und bis dato unerwähnte …

… Ode an den Schlüpfer

Oft fein gerippt in Unschuldsweiß,
ziert er des guten Mannes Steiß.

Der Schlüpfer.

Dort sieht man ihn gar mannigfaltig,
bunt geblümt, getupft und streifig,
mit Eingriff mal und mal auch ohne,
um vor dem Abrieb er verschone,
des Mannes allerwicht’ges Stück.

Ja, so eine enge Jeans kann schon mal schubbern auf nackter Haut.

Doch wehe, wehe, wehe,
wenn ich in seine Nähe gehe
und mit arg verwöhntem Näschen
schnupper wie ein Schnuffelhäschen.

Dann sollten Schlüpfer wie sein Träger
mit zartem Duft mich überraschen.
Denn mal ganz ehrlich:
Wer will schon gern von dreck’jen Tellern naschen?

Auf Wunsch eines einzelnen Herren

Pösie für Lieb & Bösi

Ich habe voll die Nase,
vom heißen Tee die Blase,
voll vom Winter – trotz neuer Jacke,
voll vom Schnee – der ist doch K****.
Mag nicht mehr rutschen, schlittern, frieren.
Würd’ lieber im Sonnenschein dinieren.
Würd’ lieber im Blütenrausch verweilen,
über grüne Wiesen eilen.
Möcht’ lieber jetzt im Grase liegen,
um mich herum die summend Fliegen,
(Bienen reimen sich nicht, wären aber netter)
neben mir ein nackter Mann…
Schön, wenn man noch träumen kann.