Tausend Tropfen

Pösie für Lieb & Bösi

Mein Kopf, ein Loch
Und doch sind tausend Worte drin
Ich will sie fangen, will sie kleiden
In Wortgewänder, die mit zartem Stich
Und feiner Nadel sich
Einweben ins Papier, das mir
Im Hier und Jetzt als Zeuge bleibt
Derweil die Zeit verrinnt
Und sich entspinnt in Fäden aus
Vergessenheit, ein Traum verpuppter Eitelkeit
Bereit, sich übermorgen zu entkleiden
Um nackt mit rohen Eingeweiden
In meinem Kopf ein Bad zu nehmen

Mein Kopf, ein Loch
Und doch sind tausend Tropfen drin

 

– Welttag der Poesie –

Die Eitelkeit in dir

Pösie für Lieb & Bösi

Die Eitelkeit in dir ist ein verliebtes Tier,
Das gierig an sich selbst verdaut, spuckt, schluckt und widerkaut,
Sich sonnt in öligen Gedankenlachen

Wie ein Dämon in dir tobt dieses verwundete Tier,
Das ausläuft und brandet wie Gischt, seine Spuren nur halb verwischt,
Sich lautstark erbricht in deinem Hirn

Fast täglich suchst du nach einem neuen Zwirn
Um dich zu flicken und dann den Dämon in den Arsch zu ficken,
Derweil das Tier nur steht – und wartet – mächtig aufgebläht

Mal breit grinsend, oft mitleidig winselnd
Ein plumper Verführer, ein Sucher, ein Spürer
Du wirfst verzweifelt Fallen aus und verfällst doch nur aus dir selbst heraus

Du rennst, drehst dich nackt im Kreis und brennst
Stehst neben dir, neben diesem Tier, siehst im Spiegel dieses WIR
Und empfindest – nichts, nicht mal Leere

Bist weder starr noch angetrieben,
Auf der Suche nach dir selbst, wo bist du abgeblieben?