Im Kopf eine Wiese wie diese

schreibchenweise

Im Kopf eine Wiese wie diese ist das Chaos der Seele. Grün ist keine Weite, Grün ist diese eine Beruhigungspille, die süchtig macht während sich die Bienen durch den Körper drohnen. Tage, die schon am Morgen aufstoßen und wie ein schlechter Furz quer hängen. Tage der Misanthropie, die nach Pizza und Tabasco stinken. Tage der gewaltsamen Melancholie voll dummer Metaphern. Sie liegen brach, diese Tage, und ich springe nackt mit einem Lachen beschmiert durch meinen inneren Pool. What a fool.

      These foolish things… Das ist Nonsens.

Genau. Es ist mein Nonsens, demokratisch ausdiskutiert bis zum Erbrechen mit all denen, die sich ihr falsches Lächeln in die Fratze getackert haben und deren Eier an einer Schaukel im Wind hängen. Als Siebenjährige hatte ich eine schwere Eiweißvergiftung. Der Geruch macht mich noch heute grün, genau wie schaukeln. Im Kopf eine Wiese wie diese ist Jammern hinter hohen Mauern, auf denen bewaffnete Boten kauern. Beklatschen wir das Böse, schieben Wollust in die Möse und nicken gönnerhaft dem eignen Spiegelbild entgegen. Von Wegen – geht es in den Graben. Dort fressen dich die Raben. Scheiß auf gestern. Scheiß auf morgen. Ich werde mir ein Jetzt besorgen. Dann trage ich das Jetzt wie eine güldene Trophäe als Gürtelschnalle und verfalle dem Gedanken, dass auch morgen in ein paar Stunden zum Jetzt wird. Derweil bestelle ich Pizza mit Tabasco, vierteile sie und schiebe sie der Menschheit in den Arsch, die Augenlider geschlossen summe ich stumme Melodien dazu. La Li Lu Land. Für eine Kariere wird dies nicht reichen, dessen bin ich mir bewusst. Ich mag mich so ungern ständig bücken. Zu spitz sind Mund und Rücken. Meine Ecken abzurunden fällt mir schwer, so sehr, dass all das nette Chi zersplittert statt schön an mir vorbei zu fließen. Ich bin kein Fluss, ertrinke nur im Überdruss von all dem Lackgeaffe. Eine Wiese wie diese schmeckt nicht nach Klee und Honigtau, sie schmeckt nach Teer, sie schmeckt leer. Leer sind all die Blüten – das Bienensterben steht uns gut – und leer bleibt der Verstand trotz prall gefüllter Buchregale. Ich kannte mal einen Billy, im Ernst. Den musste ich nicht selber zusammenbauen, der war schon fertig. Grüne Pillen gegen den Willen. Er war mehr Rebell denn Lemming und so unfassbar schön. Ihn nur anzusehen war Genuss – ein Muss, ein Zwang, getrieben von Zärtlichkeit, Hunger und Wut. Ja, er war gut in dem was er war. Eine Pille.

      These foolish things… There’s no escape …

Früher war alles besser, die Mädchen braver, die Buben kesser. Wein wurde noch mit nackten Füßen aus echten Trauben getreten und Männer haben zum Tanz gebeten. Sie rochen gut, nach Whisky und Tabak, hießen Abel und Kain und schlugen sich filmreif die Köpfe ein. Dies schrie nach einem schlechten Reim… sorry. These foolish things … Wir Menschen sind ein perfektes Klischee. Ein Glück für uns, ein Pech für alle. Im Kopf eine Wiese wie diese ist verbrannt. Weil Feuer wärmt und gleichzeitig zerstört, fasziniert es uns – genau wie Menschen, die uns zärtlich umarmen während sie langsam das Messer zwischen die Rippen schieben. Man weiß es doch vorher. Man weiß es doch besser, denn Ambivalenz ist die wahre Mutter aller Menschen, nicht Eva, die sich bestechen ließ, aber eigentlich gute Absichten hatte. Jeder ist bestechlich. Auch ich. Ich mag Äpfel. Und eine Schlange hat es im Paradies nie gegeben, da bin ich sicher. In China trank ich Schlangenschnaps, in Venezuela aß ich Krokodil, in Kambodscha naschte ich frittierte Insekten und spülte diese in Russland mit Chili-Knoblauch-Wodka herunter. Wie schmeckt unser Planet, wenn der Mund grade nicht voll Hass und Scheiße ist? Eigentlich ganz gut. Essen ist Lust. Essen ist Leben. Ein bisschen frischen Chili dazu… Leider hat der Inhaber des vietnamesischen Restaurants vor meiner Tür gewechselt. Man hätte mich bis eben Stammgast nennen können. Das Mobiliar ist geblieben. Die Lampen sind neu. Heute ist es dort leer, es schmeckt mir nicht mehr. Nichts ist wie früher, nur an der Wand hängt noch immer das alte Bild einer Wiese – eine Wiese wie diese ist Illusion.

Mutti, bitte nicht allzu ernst nehmen.

Hinter mir biegt sich Gras

augenscheinlich, schreibchenweise

Sandkörner tanzen übers Gesicht. Hinter mir biegt sich Gras im Wind. Vor mir kräuseln sich Wellen wie Bunny Lines über korrigierten Nasen. Meine Gedanken spritzen Botox ins Wasser, glätten die Unruhe. Gäste aus der Tiefe kämpfen um die besten Plätze an der Oberfläche. Einige Medusen überleben zwischen dicken Schenkeln und kreischenden Kindern. Sie tragen so zarte Kleider. Und doch verenden sie nackt.

Weit draußen, da wo die Stille wohnt, legen sich Segel schlafen. Ich werde sie nicht wecken. Schlaf ist ein Sehnsuchtsort. Er atmet schwer und leicht und schwer und leicht und tobt auch mal zwischen all der Ruhe, die lügt. Meine Augenblicke schweifen. Blau. Grün. Schlammiges Braun. Schuldiges Weiß. Treues Grau. Der Horizont ist farblos weit.

Hinter mir biegt sich Gras im Wind. Über mir kreischt die Möwe. Sie heißt nicht Jonathan. Sie ist gewöhnlich, strebt nicht nach Höherem, will nur Brot. Das dicke Kind wirft einen Stein nach ihr. Die Mutter lacht. Der Vater klatscht. Ich schleudere Gedanken, treffe feiste Stellen.

Weit draußen die Segel erwachen aus einem Traum. Sie winken und locken, bocken gegen den Wind. Homer steht am Steuer, Kapitän auf unbestimmte Zeit. Ich wünschte, ich könnte singen. Himeropa. Der Wind träufelt leise Poesien in mein Ohr. Vor mir das Meer riecht nach gepökelter Zivilisation. Ich schweife einer Odyssee entgegen, tanze gelähmt den Segeln nach. Der Horizont gähnt müde und hinter mir biegt sich Gras.

¡QUÉ PENA!*

Pösie für Lieb & Bösi

In den Arenen auf Mallorca sollen zukünftig wieder Stierkämpfe stattfinden. Als Trophäe bekommt der Sieger das Skrotum des Verlierers. Ich stelle das Glas mit seinen Eiern in ein Regal, zu all den anderen…

Da kniet er in seinem weißen Zwirn
Im Sand die Knie, zum Himmel die Stirn
¡Viva la corrida!  ¡Viva el matador!
Die Arena tobt, die Menge schreit im Chor

Die Picadores, sie reiten und schwitzen
Und Menschen springen von ihren Sitzen
Nur der Stier steht plötzlich ganz still
Weil er jetzt und hier und so nicht sterben will

Dann beginnen sie ihn umher zu hetzen
Heben die Lanzen um ihn zu verletzen
Blut tränkt den Sand, die Masse – sie singt
Während der Stier um Würde ringt

Stille. Blut tropft. Schweiß perlt. Der Himmel ist blau.

El Matador – steht sicher, setzt an zum letzten Stoß
Und es regt Wollust sichtbar sich in seinem Schoß
Der Stier senkt seinen schönen Kopf…
… und spießt ihn auf, den armen Tropf

Ich dreh mich um, verlasse grinsend die Arena
Und denke so bei mir ganz still: ¡Qué pena!
Schön war er, der Matador, und eitel noch dazu
Soll er schmoren in der Hölle, ich wünsch’ ihm gute Ruh

 * Wie schade!

Olympia

Pösie für Lieb & Bösi

 

Am Hafen stand ’ne Tante,
eine, die jeder kannte.
Ein Seemann kam und nahm
sie mit auf seine Jolle,
da liebte er sie dolle
und sie ihn auch –
bis zum nächsten Hafen,
da ging sie mit ’nem andern schlafen.

Der arme Seemann ach
lag eine Woche weinend wach,
dann nahm er sich ne Buddel Rum
und sagte sich: Scheiß drauf, sei’s drum.
Er schipperte weiter gen Abendhimmel
mit einem Bild von ihr am Pimmel,
in blauer Tinte wild gestochen
sah sie aus wie’n Zitterrochen.

Am Hafen stand ’ne Tante,
eine, die jeder kannte.
Ein Bänker kam und nahm
sie mit in sein großes Haus,
da zog sie sich für ihn nackig aus.
Zum Pech kam des Bänkers Frau dazu,
die hatte ganz wenig Humor…
nun ist der Bänker ärmer als je zuvor.

Am Hafen stand ’ne Tante,
eine, die jeder kannte.
Ein Pudel kam und jaulte,
die Tante ihn lange und herzhaft kraulte,
bis dass des Pudels harter Kern ganz weich…

Und die Moral von der Geschicht:
Gibt es nicht.

 

Schade, Georg!

Portraits & Co.

Ich habe Georg Preidler persönlich kennengelernt und bin traurig über diese Entwicklung seiner Profi-Karriere. Dennoch bewundere ich seinen Mut, mit dem Geständnis zum Blutdoping an die Öffentlichkeit zu gehen und seinen Fehler als solchen einzugestehen – das verdient Anerkennung, denn der Weg in die Öffentlichkeit bedeutet den Verlust jeglichen Vertrauens in all seine bisherigen und zukünftigen Leistungen und vor allem in ihn als Person. Die Enttäuschung wiegt schwer. Ich hoffe und wünsche ihm dennoch, dass er seinen Weg als Sportler sauber weitergehen wird.

Im Weltall hört dich keiner pupsen

Pösie für Lieb & Bösi

Mit Gruß an Tesla

Die Erde ist rund – das ist mal so
Das All drum herum scheint leer
Doch wo
Kommen dann all die Alliens her?

Um dieser Frage nachzugehen
Wollt ich mir das All ansehen

Im Raumschiff hermetisch abgeschlossen
Hab ich mich ins All geschossen

Als Begleitung mit dabei
Ein Wurstbrot, Bier und Ei
Zwiebeln in feinen Scheiben
Und Butter, sie aufs Brot zu reiben

Nach Tagen allein und still im All
Gab es einen mächtigen Knall

Mein Herz in der Hose
Der Puls am Schlagen
Welch peinliche Chose
Geplatzt der Kragen

Was für ein Furz!

Stille danach…
Ich lauschte ins All
Gekrümmt vor Schmach
Im Ohr noch der Schall

Draußen weiter Stille…
Kein Ufo zu sehen weit und breit
Der Beweis war nicht schwer
Die Erde ist rund, das All ist leer

Und die Moral von der Geschicht:
Im All hört dich keiner pupsen nicht