Jäger & Sammler

augenscheinlich, schreibchenweise

Was tust du da?
Ich bin auf der Jagd.
Was jagst du?
Gedanken.
Warum jagst du Gedanken?
Weil sie ständig auf der Flucht sind. Ich will sie erlegen.
Und dann?
Dann häute ich sie, ziehe ihnen das Fell ab, zerlege sie in Einzelteile.
Warum tust du das?
Weil ich ein Jäger bin.
Was machst du dann mit den Gedankenteilen?
Ich koche sie aus, bleiche sie, sortiere sie.
Und dann?
Dann nagele ich sie an die Wand, der Größe nach.
Warum?
Weil ich ein Sammler bin.
Warum sammelst du Gedanken, hast du keine eigenen?

Ein Stein ist ein Stein

augenscheinlich, Pösie für Lieb & Bösi

Ein Stein ist ein Stein. Ein Stein wird nie etwas Anderes sein. Er ist kein Wind, er wird kein Gras, er kann sich nicht biegen, er ist nicht aus Glas. Ein Stein ist das Sein, ein Stein ist kein Wollen. Ein Stein ist ein Stein, ein Stein ist kein Sollen. Ein Stein ist kein Spiegel, ein Stein braucht kein Glück. Ein Stein ist kein Siegel, kein Stein ist verrückt. Kein Stein muss gefallen, kein Stein sich erklären. Kein Stein braucht Krallen, kein Stein muss sich wehren. Ein Stein ist mal rund, hat Kanten und Ecken. Ein Stein bleibt ein Stein, kein Stein wird verrecken. Ein Stein schreit stumm, ein Stein schweigt laut. Kein Stein ist Schein mit so dünner Haut…

Ein Stein ist ein Stein, nicht mehr und nicht weniger. Ein Stein möchte ich sein.

Hinter mir biegt sich Gras

augenscheinlich, schreibchenweise

Sandkörner tanzen übers Gesicht. Hinter mir biegt sich Gras im Wind. Vor mir kräuseln sich Wellen wie Bunny Lines über korrigierten Nasen. Meine Gedanken spritzen Botox ins Wasser, glätten die Unruhe. Gäste aus der Tiefe kämpfen um die besten Plätze an der Oberfläche. Einige Medusen überleben zwischen dicken Schenkeln und kreischenden Kindern. Sie tragen so zarte Kleider. Und doch verenden sie nackt.

Weit draußen, da wo die Stille wohnt, legen sich Segel schlafen. Ich werde sie nicht wecken. Schlaf ist ein Sehnsuchtsort. Er atmet schwer und leicht und schwer und leicht und tobt auch mal zwischen all der Ruhe, die lügt. Meine Augenblicke schweifen. Blau. Grün. Schlammiges Braun. Schuldiges Weiß. Treues Grau. Der Horizont ist farblos weit.

Hinter mir biegt sich Gras im Wind. Über mir kreischt die Möwe. Sie heißt nicht Jonathan. Sie ist gewöhnlich, strebt nicht nach Höherem, will nur Brot. Das dicke Kind wirft einen Stein nach ihr. Die Mutter lacht. Der Vater klatscht. Ich schleudere Gedanken, treffe feiste Stellen.

Weit draußen die Segel erwachen aus einem Traum. Sie winken und locken, bocken gegen den Wind. Homer steht am Steuer, Kapitän auf unbestimmte Zeit. Ich wünschte, ich könnte singen. Himeropa. Der Wind träufelt leise Poesien in mein Ohr. Vor mir das Meer riecht nach gepökelter Zivilisation. Ich schweife einer Odyssee entgegen, tanze gelähmt den Segeln nach. Der Horizont gähnt müde und hinter mir biegt sich Gras.

Olympia

Pösie für Lieb & Bösi

 

Am Hafen stand ’ne Tante,
eine, die jeder kannte.
Ein Seemann kam und nahm
sie mit auf seine Jolle,
da liebte er sie dolle
und sie ihn auch –
bis zum nächsten Hafen,
da ging sie mit ’nem andern schlafen.

Der arme Seemann ach
lag eine Woche weinend wach,
dann nahm er sich ne Buddel Rum
und sagte sich: Scheiß drauf, sei’s drum.
Er schipperte weiter gen Abendhimmel
mit einem Bild von ihr am Pimmel,
in blauer Tinte wild gestochen
sah sie aus wie’n Zitterrochen.

Am Hafen stand ’ne Tante,
eine, die jeder kannte.
Ein Bänker kam und nahm
sie mit in sein großes Haus,
da zog sie sich für ihn nackig aus.
Zum Pech kam des Bänkers Frau dazu,
die hatte ganz wenig Humor…
nun ist der Bänker ärmer als je zuvor.

Am Hafen stand ’ne Tante,
eine, die jeder kannte.
Ein Pudel kam und jaulte,
die Tante ihn lange und herzhaft kraulte,
bis dass des Pudels harter Kern ganz weich…

Und die Moral von der Geschicht:
Gibt es nicht.

 

Schade, Georg!

Portraits & Co.

Ich habe Georg Preidler persönlich kennengelernt und bin traurig über diese Entwicklung seiner Profi-Karriere. Dennoch bewundere ich seinen Mut, mit dem Geständnis zum Blutdoping an die Öffentlichkeit zu gehen und seinen Fehler als solchen einzugestehen – das verdient Anerkennung, denn der Weg in die Öffentlichkeit bedeutet den Verlust jeglichen Vertrauens in all seine bisherigen und zukünftigen Leistungen und vor allem in ihn als Person. Die Enttäuschung wiegt schwer. Ich hoffe und wünsche ihm dennoch, dass er seinen Weg als Sportler sauber weitergehen wird.