Und am Himmel geht der Mond auf

augenscheinlich, schreibchenweise

Gestern waren sie Liebende. Heute schlafen sie getrennt. Er im Garten hinter dem Haus, sie im Teich. Und am Himmel geht der Mond auf.

Sie lebte mit dem Einen und vergötterte den Anderen, seine zarte Erscheinung, seine Feingliedrigkeit, seinen scharfen Geist. Er trug eine Maske und versank unerkannt in ihr, in ihrem Haar, ihrem Geruch, in ihrer Scham. Bisweilen. Sie liebte ihn, wie er war, für das, was er war. Was er vorgab zu sein. Immer. Sie wollte ihn. Ganz. Er wollte sie, wie eine andere, die er nicht haben konnte. Nicht haben durfte. Niemals. In seinem anderen Leben verband ihn dieses kleine Mädchen mit zwei Menschen auf eine Art, die falsch war. In ihrem Leben verband sie zwei kleine Mädchen mit einem Mann, der keine Ahnung hatte. So viele Bindungen und doch kein Bund. Alle zerrissen. Alles verschlissen. Jeder belogen. Von jedem betrogen. Und am Himmel geht der Mond auf.

„Ich kann nicht mit dir leben.“

„Du willst nicht mit mir leben.“

Wenn Erdplatten aufeinander treffen, bilden sich Vulkane. Sie spucken Feuer, ergießen Lava und verglühen. Gebirge türmen sich auf, ragen in die Wolken, bersten, werfen Schatten, bröckeln und versinken im Meer aus Tränen. Bruchschollen fallen auf Granit. Tiefe Gräben bleiben zurück. Verschlucken das, was eben noch die Zukunft war. Und am Himmel geht der Mond auf.

„Ich werde gehen.“

„Dann gibt es kein zurück.“

Im Teich ertrinken die Fische. Drei blasse Seerosen verschließen sich stumm. Irgendwo in dieser Nacht tickt eine Uhr. Rückwärts, bis sie stehen bleibt. Die Erde im Garten hinter dem Haus ist aufgewühlt, ebenso das Herz, das noch eine Stunde schlägt. Dann schweigt auch das. Und am Himmel geht der Mond auf.

Seerosen

Alte Zeiten

augenscheinlich

Irgendwo in Frankreich, kurz vor der spanischen Grenze auf dem Weg nach Cadaqués, da liegt ein Paradies der vergessenen Seelen. Körper aus Blech, Sitze aus Moos. Einst waren sie groß und mächtig, nun sind sie Brachland, Pflanztöpfe für wildwucherndes Grün, stehen im rostigen Altenheim unter freiem Himmel. Manch einer beißt ins Gras.

FrOOstern!

augenscheinlich, Pösie für Lieb & Bösi

Weil’s doch so wichtig ist, dachte ich, ich widme dem Hauptdarsteller mal ein paar Zeilen. Nun denn:

Was wär’ die Welt nur ohne Eier?
Es wäre traurig der Herr Meier.
Es wär’ frustriert des Meiers Weib,
dann hätte sie kein Kind im Leib.
Ihr Magen leer, der Stall ganz stumm,
nirgends liefen Hühner rum.
Es gäb’ kein Impfstoff, es gäb’ nur Seuchen,
fast jeder würde Husten keuchen.
Der Hase wäre ohne Job
und hätt’ nur dummes Zeug im Kopp.
Er würde rammeln noch und nöcher,
er würde buddeln Rasenlöcher.
Auch Dioxin wüsst’ nicht wohin,
jetzt ist es in den Eiern drin.

Das Ei an sich erscheint mir nichtig,
doch manchem ist es furchtbar wichtig.
Es gibt die großen, es gibt die kleinen,
mal hängen sie nur zwischen Beinen,
mal hängen sie an einem Strauch,
schmücken bunte Teller auch.
Mal sind sie süß, mit Schokolade,
mal sind sie schlecht, das ist dann schade.
Und doch – was wär’ ein Ostern ohne Eier?
Ich wär’ so traurig, ganz wie Herr Meier.

Übrigens – so wird auch heute noch der Eierlikör gewonnen. Ei, Ei, Ei, verboten…