Ein Prost auf die Beständigkeit

Pösie für Lieb & Bösi

Nun geht der Sommer, soll er doch
Versinkt im eignen Sommerloch
Bis er im nächsten Jahr – ich nehm’ es an
Von vorne anfängt dann
Und wieder werden alle maulen
Zu kalt, zu heiß, zu schwül, zu nass – was soll denn das!?
Es werden Blumen blühen, Wespen stechen
Männer ihre Gärten rechen
Frauen nichts unter kurzen Röcken tragen
Jemand am See `nen Fisch erschlagen
Jemand einen Kuchen backen
Ein Hund wird auf den Rasen kacken
Kinder werden im Brunnen toben
Manch einer wird das Wetter loben
Manch einer wird sehr reich mit Eis
Wer U-Bahn fährt, denkt, was für’n Scheiß
Denn bei 50 Grad im Wagen
Wird jedes Deo erneut versagen
Touristen werden kommen, auch wieder gehen
Manch einer den Park mit Müll versehen
Es wird gegrillt, gechillt und viel gelacht
Wer kann, schläft draußen in warmer Nacht
Es werden wieder Tränen fließen
Es wird wieder Herpes sprießen
Das kommt vom vielen Küssen
Von fremden Mündern und fremden Nüssen
Im Biergarten wird man wieder Bier verkaufen
Ich werde mich wieder damit besaufen
Und wie jedes Jahr dann denken – voll Heiterkeit
Ein Prost auf die Beständigkeit

Ein Schwarm von Und

Pösie für Lieb & Bösi

Ein Schwarm von Vögeln
Und am Boden klebt das Nass
Erinnerungen kreisen
Und Gedanken werden blass

Federn spuckt mein Mund
Und am Boden klebt es rot
Wasserfälle bauschen
Und ein Vogel fällt sich tot

Ein Schwarm von Fischen
Und am Boden klebt ein Wort
Nähe rückt sich fern
Und Stille sehnt sich dort

Seegras tanzt im Licht
Und am Boden kleben Noten
Angst beißt an sich selbst
Und schickt täglich einen Boten

Ein Schwarm von Staub
Und am Boden klebt der Wind
Ich stelle Fragen
Und im Herzen bin ich blind

Muttertag

Pösie für Lieb & Bösi

Gezeugt. Geboren. Geliebt.
Nichts ist vergleichbar mit dem, was eine Mutter gibt
Ich habe solches Glück, dass du die meine bist
Auch wenn ich manchmal angepisst
Von dir, von mir, von uns in unserem Kontrast
Weil wir uns so sehr gleichen
Weil wir so von einander weichen
Weil du bist, wie nur du sein kannst
Weil du alles für mich gibst, nie halb, nur ganz
Und ich bin so, so wie ich bin aus dir
Weil ich dich liebe – immer, jetzt und hier
In meiner Seele. Im Kopf. Im Herz.
Du bist mir Liebe, Freud und Schmerz
Gezeugt. Geboren. Immer geliebt.
Nichts ist vergleichbar mit dem, was meine Mutter mir gibt.

 

8 Sekunden – so ewig

Pösie für Lieb & Bösi, schreibchenweise

Im Kopf ein Meer aus Fragen
Die Perücken tragen
Sich in falschen Fummeln winden
Und keinen Ausgang finden
Stolpernd durch die graue Masse treiben
Ohne Sinn –
Bleiben

Im Auge trübschwarze Bilder tropfen
Den Puls zu Tode klopfen
Gierig an den Haaren zerren
Und Mutmaßungen plerren
Bis man beginnt, sich um sich selbst
Zu drehen –
Stehen. Bleiben

Die Hände hack ich ab mit bunten Quasten
Damit sie nicht nach Dummheit tasten
Und lächelnd zur Grimasse aufgetragen
Versteck ich all die Fragen
Für acht Sekunden nur
So kurz –
So ewig. Bleiben